Mehr Wald, mehr Flow: Graveln im Dresden Elbland

Ihr habt nach der ersten Runde in Dresden Elbland direkt Lust auf noch eine Tour? Sehr gut. Haben wir, denn wir wurden eingeladen, die offiziellen Gravel-Tourenauswahl der Region zu "erfahren" und euch zu berichten. Die weiteren Runden und unseren Überblick findet ihr auf unserer Dresden Elbland-Seite.

Diese zweite offizielle Route im Dresden Elbland ist nämlich ganz anders als die Tour, die wir am Samstag gefahren sind. Auf dem Papier sieht sie erstmal ziemlich ähnlich aus: rund 70 bis 76 Kilometer, überschaubare Höhenmeter, Start und Ziel in Meißen. Man könnte also denken: gleiche Ecke, gleiches Spiel. Ist es aber nicht. Der Charakter ist ein komplett anderer.

Während die Tour über Diesbar-Seußlitz nach Glaubitz viel mit Weinbergen, Elbblicken, kleinen Dörfern und Kulturstopps spielt, ist diese Runde eher die sportlichere Wald-und-Schotter-Variante. Sie richtet sich nicht unbedingt an Menschen, die zum ersten Mal auf einem Gravelbike sitzen, sondern eher an alle, die gerne mal längere Gravelstücke durchziehen, Strecke machen und zwischendurch auch ein bisschen Tempo aufnehmen wollen.

Man kann die Tour ziemlich gut in drei Phasen einteilen: erst einrollen und warm werden, dann Wald, Seen und richtig viel Gravel, und am Ende der Elberadweg als schnelle Rückflugschneise nach Meißen. Klingt gut? Ist es auch.

Los geht es wieder in Meißen. Aber diesmal zieht es uns in die andere Richtung aus der Stadt. Statt direkt Richtung Weinberge und Elbtal abzubiegen, rollen wir raus in die offene Landschaft der Nassau. Erstmal flach, erstmal Felder, erstmal Beine sortieren. Die ersten Gravelpassagen kommen aber ziemlich schnell, und die sind durchaus etwas gröber. Nicht schlimm, nicht wild, aber eben auch kein frisch gesiebter Wohlfühl-Kies. Passt gut zu dieser Tour. Sie sagt relativ früh: Heute wird gefahren.

So kurbeln wir uns warm und ziehen weiter bis nach Weinböhla. Dort queren wir das Städtchen, rollen am Rathausplatz und Bahnhof vorbei und kommen auch in die Nähe des VELOCIUM, der Sächsischen Fahrrad-Erlebniswelt. Wer jetzt schon Lust auf Extra-Spielplatz hat, kann dort sogar noch einen Pumptrack mitnehmen. Wir bleiben aber auf Linie, denn die Tour hat noch genug vor.

Wenn man sich den GPX-Track anschaut, könnte man rund um Weinböhla und den Friedewald kurz denken: Aha, jetzt kommt also die große Steigung. Kommt sie aber nicht wirklich. Zumindest fühlt es sich nicht so dramatisch an, wie es auf dem Profil vielleicht aussieht. Man fährt im Ort schon ein bisschen bergan, später im Wald steigt es auch noch einmal leicht, aber das ist alles gut fahrbar. Kein Moment, in dem man sein Leben hinterfragt. Eher ein sanftes Hochschieben in den spannenderen Teil der Runde.

Und dann sind wir im Friedewald. Hier wird die Tour deutlich graveldeluxiger. Der Untergrund wechselt, der Wald wird dichter, die Wege werden lebendiger. Mal fährt man auf Waldboden, mal auf breiten Waldautobahnen, mal über Gras, mal über Erde, mal über Schotter. Es ist nicht hochkompliziert, aber fahrtechnisch interessanter als der Beginn. Genau so ein Abschnitt, in dem das Rad unter einem arbeitet, man selbst ein bisschen lockerer wird und die Geschwindigkeit trotzdem schön drinbleibt.

Am Grutschenteich zweigt die Route auf einen naturbelassenen Pfad ab, und spätestens hier ist klar: Das wird kein reines Rollen. Das macht Spaß. Kurz darauf geht es weiter Richtung Gellertberg. Dort liegen das Gellerthäuschen, eine künstliche Turmruine von 1824, und eine Freilichtbühne. Wer sich die Zeit nimmt, bekommt hier auch einen schönen Blick weit nach Süden und Westen über Weinberge, die Nassau und das Spaargebirge. Wir sind eher im Fahrmodus, aber solche Punkte sind natürlich perfekt, wenn man die Tour ein bisschen mehr auf Genuss und Stopps fährt.

Auch ein Waldbad liegt wieder am Weg: das Waldbad Oberau. Und ja, es sieht einladend aus. Sehr sogar. Aber für uns ist es noch zu früh zum Schwimmen. Wir sind gerade erst im Gravelmodus angekommen, und wenn man einmal drin ist, will man erstmal nicht in Badehose wechseln. Also weiter.

Der Friedewald zieht sich jetzt angenehm lange. Immer wieder geht es ein bisschen aufwärts, aber nie fies. Der Rhythmus stimmt. Man fährt durch verschiedene Waldstimmungen, mal lichter, mal dichter, mal auf schnellen Wegen, mal auf etwas rauerem Boden. Und das Beste: Wir treffen kaum jemanden. Keine Menschenseele, nur Wald, Reifen, Atem, Kette. Genau diese Art von Ruhe, bei der man irgendwann merkt, dass man schon eine ganze Weile nichts gesagt hat, weil Fahren gerade völlig reicht.

Zwischendurch kommen immer wieder Teiche und Seen dazu. Das Moritzburger Teichgebiet liefert hier ordentlich Kulisse: Heidehofteich, Köckritzteich, Silberteich, später auch die Dippelsdorfer Teichlandschaft. Wasser links, Wald rechts, dazwischen diese Wege, die sich zügig und rund fahren. Nach einer Weile öffnet sich die Landschaft auch wieder etwas, und man bekommt Blicke über Felder, auf denen Kühe oder Pferde stehen. Oder eben nicht nur stehen: Wir bekommen unterwegs auch ein paar Pferdegespanne zu sehen. Sachsen kann hier ziemlich klassisch-romantisch sein, während man selbst mit Staub an den Beinen durchs Bild fährt.

Die Route führt dann im großen Bogen durch die Wälder und Teichlandschaften hinter Moritzburg. Dabei streift man diese ganze Moritzburg-Welt, ohne zwingend mitten in den Ausflugsrummel rein zu müssen. Das Schloss Moritzburg ist natürlich der große Name, aber entlang der Strecke liegen noch mehr kleine und große Sehenswürdigkeiten: das Fasanenschlösschen, der einzige historische Leuchtturm Sachsens, das Wildgehege, das sächsische Landgestüt, Käthe-Kollwitz-Haus, Rotes Haus. Genug Stoff also, um aus der Graveltour jederzeit einen Kultur-Ausflug mit Reifenstaub zu machen.

Wir machen diesmal keinen großen Abstecher in den Ort. Nicht, weil es sich nicht lohnt – Moritzburg lohnt sich natürlich –, sondern weil die Strecke gerade so schön läuft. Und diese Tour ist einfach gut dafür gebaut, auch mal Strecke zu machen. Man kann hier wunderbar ballern, ohne dass es stumpf wird. Gleichzeitig kann man sie aber auch anpassen, abkürzen, verlängern oder mit Stopps vollpacken. Das ist ziemlich praktisch.

Südlich von Moritzburg geht es dann wieder rein ins Waldgebiet. Die Abgeschiedenheit kommt zurück, der Gravel bleibt, und es tauchen weiter kleine Details am Wegesrand auf. Zum Beispiel das Wolfsdenkmal, das an eine kurfürstliche Treibjagd aus dem Jahr 1618 erinnert. Wieder so ein Punkt, an dem man nur kurz vorbeifährt und denkt: Okay, hier steckt überall Geschichte im Wald.

Dann kommt eine rasante Abfahrt hinunter Richtung Coswig. Sehr schön. So ein Abschnitt, bei dem man merkt, dass die Tour nach den langen Waldkilometern noch einmal ein bisschen Tempo freigibt. Unten wird es städtischer, die Route führt durch Coswig und vorbei an einigen Sehenswürdigkeiten wie der Blaudruckerei Folprecht, der Alten Kirche oder dem Museum Karrasburg. Wir bleiben auch hier eher im Rollmodus, aber wer die Runde gemütlicher fährt, findet genug Gründe für einen Zwischenstopp.

Und dann sind wir an der Elbe. Ab hier wechselt die Tour die Tonart noch einmal komplett. Nach Wald, Teichen, Schotter und kleinen technischen Passagen kommt jetzt der Elberadweg. Flach, übersichtlich, schnell. Ein idealer Abschluss, wenn man die Beine noch einmal drehen lassen will. Vorbei am Badesee Coswig-Kötitz geht es mit schönen Blicken Richtung Meißen zurück. Die Elbe wird breiter, die Landschaft öffnet sich, und irgendwann bildet sich wieder dieses Tal, das einen zurück Richtung Stadt zieht.

Nach ein paar Kilometern ist man wieder am Ausgangspunkt. Eigentlich. Uns zieht es dann aber trotzdem noch weiter. Es ist erst Nachmittag, und Meißen liegt mit seiner Altstadt direkt vor unserer Nase. Also können wir es natürlich nicht lassen, auch dort noch mit dem Gravelbike hineinzukrabbeln. Dafür fährt man über die Fahrradbrücke rüber und folgt dem Radweg Richtung Marktplatz. Von dort geht es hoch über die Burgstraße zum Domplatz.

Und ja, das ist dann noch einmal eine kleine Rüttelpartie. Grobes Pflaster, enge Gassen, Touristen, Beine vielleicht nicht mehr ganz taufrisch. Aber die Belohnung ist groß: wunderschöne Blicke auf die Altstadt, oben hinunter auf Meißen und weiter ins Elbtal. Am besten fährt man hier nicht unbedingt am Wochenende, wenn der Trubel besonders groß ist. Aber falls doch: Die Bewunderung ist euch sicher, wenn ihr ohne Unterstützung da hochkraxelt. Oder zumindest ein paar verwirrte Blicke. Auch gut.

Unser Fazit zu dieser Tour: Das ist die rundere Wahl für alle, die wirklich viel Gravel fahren wollen. Sie ist nicht schwer im Sinne von brutal, aber sie fühlt sich sportlicher an als die Tour Richtung Diesbar-Seußlitz und Glaubitz. Der Charakter ist direkter, waldiger, schneller. Weniger Weinberg-Romantik, mehr Waldkante. Weniger Einkehr-und-Aussicht, mehr Strecke-und-Flow.

Trotzdem muss hier niemand scheitern. Die Wege bleiben fahrbar, die Höhenmeter sind überschaubar, und es gibt genug Möglichkeiten, die Runde nach Lust, Laune und Energie anzupassen. Gerade an warmen Sommertagen ist sie stark, weil man viel im Wald unterwegs ist und immer wieder an Badestellen vorbeikommt. Wer will, fährt sie als zügige Gravelrunde. Wer mehr Zeit mitbringt, baut Moritzburg, Waldbad, Teiche oder Meißen als Kulturbonus ein.

Für uns ist diese Tour vor allem eins: ein sehr guter Beweis, dass Dresden Elbland nicht nur hübsch kann. Es kann auch rollen. Und zwar ziemlich gut.

Die Touren unseres WochenendeS in Dresden Elbland

Weitere Touren in Sachsen

Neueste Touren auf GravelDeluxe

Zurück
Zurück

Schotter, Schlösser, Steillagen: Graveln im rechtselbischen Dresden Elbland

Weiter
Weiter

Allgäu Gravel Rally - Oberstdorfer Dead Ends