Bikepacking durch das farbenfrohe Herz von Kalabrien – Ciclovia Parchi

Wer Bock auf echtes Abenteuer und eine ordentliche Portion Dolce Vita hat, kommt an dieser Collection nicht vorbei. Die Experten der Ciclovia Parchi Calabria servieren uns hier eine Route, die alles bietet: dichte Wälder, einsame Pfade und Panoramen, bei denen man fast das Lenker-Halten vergisst durch die Nationalparks Kalabriens.

Auf 545 Kilometern durchquert man teilweise auf ehemaligen Bahnstrecken den italienischen Apennin und passiert dabei Nationalparks, in denen Wölfe und Korkeichen zu Hause sind. Die Strecke bietet ordentlich Höhenmeter für die Beine, belohnt aber mit Ausblicken auf das Ionische und Tyrrhenische Meer – und bei gutem Wetter sogar auf den Vulkan Stromboli. Wenn die Waden brennen, warten in den Bergdörfern schon der nächste Espresso und die unvergleichliche Gastfreundschaft Kalabriens. Instagram | Facebook

Die offizielle Touren haben neben der eigentlichen Haupttour auch alternative Strecken und wir empfehlen vor der Planung dass ihr auf https://www.cicloviaparchicalabria.it/de/ um eventuelle Sperrungen und Umleitungen zu sehen.

Dort könnt ihr auch die Tour als reines GPX herunterladen, falls euch das lieber ist.

Ein Erlebnis auf der Ciclovia parchi Calabria

Neben der offiziellen Tour haben auch Saddle Stories die Route befahren. Saddle Stories sind Angelika und Reinhard – zwei, die ihre Touren nicht einfach planen, sondern wirklich erleben. Mit offenen Augen, viel Neugier und einer gesunden Portion Abenteuerlust rollen sie durch Regionen, in denen es nicht nur um Kilometer geht, sondern um Begegnungen, Landschaften und diese kleinen Momente, die eine Route besonders machen. Ihre Touren fühlen sich selten nach „abgehakt“ an, eher nach: kurz anhalten, staunen, weiterrollen. Mehr von ihnen findet ihr auf Komoot.

  • Tag 1: Lago Cecita nach Pantane – Ciclovia Parchi Calabria (80 Kilometer | 05:23 | 1130 Meter) von Saddle Stories
    Der Auftakt in Kalabrien startet mit Sonne im Gesicht, Hupen auf der Straße und einem sehr freundlichen „Ciao!“ von Francesco. Vom Lago Cecita geht es hinein in den Sila-Nationalpark, erst gemütlich am See entlang, dann direkt auf schlammige Feldwege, kleine Bäche, Wiesen und Herbstfarben in Vollausstattung. Francesco meinte zwar, hier gäbe es keine steilen Anstiege – der Schlamm hatte da offenbar eine eigene Meinung. Kurz wird geschoben, kurz wird balanciert, aber genau das macht den Start so charmant.
    Später läuft die Route wieder ruhiger über Asphalt, vorbei an Ciclovia-Schildern, leuchtenden Wäldern, dem Lago Arvo und dem stillen Lago Ampollino. In der Nebensaison gehört der Radweg fast komplett ihnen allein. Die letzten Kilometer rollen sie im Lampenlicht durch die dünn besiedelten Berge, bevor lokale Steinpilze und ein italienisches Abendessen den Tag ziemlich würdig abschließen. So darf ein erstes Date mit Kalabrien aussehen.

  • Tag 2: Pantane nach Tiriolo – Ciclovia Parchi Calabria (59 Kilometer | 04:20 | 950 Meter) von Saddle Stories
    Nach den stillen Wäldern vom Vortag zeigt Kalabrien heute seine Bergdorf-Seite. Bunte Häuser kleben an steilen Hängen, enge Gassen ziehen sich durch die Orte und überall liegt dieses leicht wilde, südliche Flair in der Luft. Die Strecke selbst? Kurven, Kurven und noch ein paar Kurven. Genau die Sorte Straße, bei der man eigentlich fahren möchte, aber ständig anhält, weil hinter jeder Biegung wieder ein neuer Blick wartet.
    Die Höhenmeter verteilen sich angenehm, der Verkehr bleibt entspannt und der Wald duftet so gut, dass man fast vergisst, dass man überhaupt tritt. Am Abend wartet Tiriolo mit ganz großer Gastfreundschaft: Ape-Fahrt durch die Gassen, kalabrische Steinpilze in allen Varianten und Rotwein, bis der Tag endgültig in Richtung Dolce Vita kippt. Radfahren kann schon ziemlich unfair schön sein.

  • Tag 3: Tiriolo nach Serra San Bruno – Ciclovia Parchi Calabria (80 Kilometer | 05:34 | 1740 Meter) von Saddle Stories
    Tag drei legt direkt ein paar Schippen drauf: 80 Kilometer, 1.740 Höhenmeter und Wind, der offensichtlich auch mitfahren möchte. Von Tiriolo geht es über herrliche Serpentinen bergab, mit weitem Blick Richtung Tyrrhenisches und Ionisches Meer. Bei klarer Sicht wären sogar Sizilien und Stromboli drin – Kalabrien kann Panorama, und zwar nicht zu knapp. Danach ziehen Olivenhaine, wechselndes Licht und dunkle Wolken vorbei, inklusive Regenbogen als kleine Drama-Beleuchtung.
    Richtung Monte Covello wird die Stimmung dann fast mystisch. Der Wind biegt die Eichen, Nebel hängt tief in den Wäldern und plötzlich ist da diese komplette Ruhe: keine Autos, keine Wanderer, keine Ablenkung. Nur Berge, Herbst und ein ziemlich intensiver Gravel-Tag. Am Ende wird es kalt und dunkel, die Kräfte schwinden, und während Reini die letzten Kilometer nach Serra San Bruno allein weiterfährt, hilft ein Stück süditalienische Hilfsbereitschaft beim Ankommen. Serra San Bruno selbst wirkt danach wie gemacht zum Runterkommen: enge Gassen, historische Kirchen, kleine Restaurants und viel echtes Kalabrien.

  • Tag 4: Serra San Bruno nach Refugio Il Boschetto – Ciclovia Parchi Calabria (67 Kilometer | 04:07 | 1110 Meter) von Saddle Stories
    Tag vier beginnt nicht ganz nach Plan: Angi ist krank, also fährt Reini allein weiter. Von Serra San Bruno kurbelt er sich über schöne Serpentinen hinauf ins Naturschutzgebiet Serre, vorbei an Mongiana mit Cafés, die sehr überzeugend nach Espresso riechen. Die Trinkbrunnen liefern kristallklares Bergwasser, aber seien wir ehrlich: Ein Espresso hätte in dem Moment wahrscheinlich noch ein bisschen mehr Seelenheil gebracht.
    Danach wird es richtig schön einsam. Grüne Kiefern, orangefarbene Laubbäume, lange Waldpassagen und irgendwann dieser Moment, in dem sich der Blick öffnet und Stromboli zum ersten Mal am Horizont steht. Später wird die Landschaft landwirtschaftlicher: Kühe, Ziegen, Schafe, Hirten und große weiße Schäferhunde, bei denen das Rad kurz zur mobilen Schutzmauer wird. Kurz vor Sonnenuntergang, bei nur noch zwei Grad, wartet das Refugio Il Boschetto mitten im Wald – mit Kaminfeuer, warmem Essen und Nicolai, der aus einer kalten Etappe einen richtig gemütlichen Abend macht.

  • Tag 5: Refugio Il Boschetto nach Reggio Calabria – Ciclovia Parchi Calabria (88 Kilometer | 05:18 | 1390 Meter) von Saddle Stories
    Der letzte Tag bringt noch einmal alles zusammen, was Kalabrien auf dieser Route so besonders macht. Erst muss das Rad aus dem Wald zurück auf die Straße geschoben werden, dann geht es weiter durch den Aspromonte-Nationalpark, den südlichsten Nationalpark Kalabriens. Wölfe, Schildkröten und Baumhaselmäuse bleiben zwar lieber unsichtbar, dafür übernehmen Ziegen und Kühe zuverlässig den Straßendienst. Die Hütehunde bleiben diesmal zum Glück entspannt – auch mal schön, wenn man nicht als Endgegner wahrgenommen wird.
    Nach zwei Stunden öffnet sich der Blick und Stromboli steht klar im Tyrrhenischen Meer. Später taucht sogar der Ätna am Horizont auf, die Straße windet sich über herbstlaubbedeckte Serpentinen und der Asphalt zeigt seine kreative kalabrische Seite. Dann folgt die finale Abfahrt: 1.300 Höhenmeter runter Richtung Reggio Calabria. Oben noch Bergluft und Herbstwald, unten plötzlich wärmere Luft, andere Vegetation und Bananenstauden. Am Ende sitzt Reini am Strand, hört den Wellen zu und blickt auf fünf intensive Tage zurück. Mehr Kontrast, mehr Kalabrien und mehr Reisegefühl geht kaum. 🌋

Fotos und Sammlung von Ciclovia Parchi Calabria
Weitere Foto-Credits: Saddle Stories

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