Vogtland: Flotte Schotterpisten für Gravel-Feinschmecker

Das Vogtland ist unser Auftakt zu einem größeren Sommerabenteuer in Sachsen und wir sind schon ganz aufgeregt. Wir wollen endlich eine offizielle Graveltour in dieser Region testen (war schon seit zwei Jahren auf der Bucket List). Tja: Wir sehen ziemlich schnell, dass es ein echter Geheimtipp ist. Für alle, die schnelle Pisten, entspannte Kilometer und ein paar ehrliche Höhenmeter mögen. Oder, um es weniger geschniegelt zu sagen: Hier kann man ganz hervorragend Gravel ballern.

Sachsen kann Gravel ohnehin ziemlich gut: Flusstäler, Mittelgebirge, lange Waldwege. Die Auswahl ist eher ein Luxusproblem. Einen Überblick gibt es bei Sachsen Tourismus. Wie abwechslungsreich es dort zugeht, haben wir schon bei unseren GravelTouren im Dresden Elbland zwischen Weinbergen und Elbe erlebt.

Im Vogtland warten erstaunlich gut gepflegte Wege, lange Anstiege ohne Boshaftigkeit und genau diese Abfahrten, für die ein Gravelbike gebaut wurde. Mehr zur Region und weiteren Touren findet ihr bei Vogtland Tourismus – und unten in unserer Tourenliste.

Unsere Wahl fiel auf die Graveltour Schöneck – Klingenthal – Schneckenstein – Grünbach – Muldenberg. Original stehen knapp 45 Kilometer und rund 730 Höhenmeter auf dem Zettel. Wir sind direkt vom Waldhotel Vogtland gestartet, das ziemlich genau auf halber Runde liegt; mit unserem Einstieg und ein paar Extras wurden es fast 50 Kilometer und knapp 800 Höhenmeter. Eine perfekte Halb- bis Dreivierteltagsrunde: Die Beine haben zu tun, aber für Fotostopps, Himbeeren am Wegesrand und eine Pause mit Aussicht bleibt genug Luft.

Start mit Schwung in Schöneck

Die Runde startet in Schöneck, oben am Bahnhof beziehungsweise am Freizeit- und Bikepark. Wer mit der Bahn anreist oder hier übernachtet, steckt direkt mitten drin. Am Bikepark ist erwartbar viel los: Bikes, Ferienpark, ein bisschen Trubel. Dafür gibt’s gleich einen schönen Blick über Schöneck. Nach ein paar hundert Metern Asphalt ist der Wirbel aber Geschichte. Dann beginnt Gravel – und die Runde zeigt, was sie kann.

Erst geht es flott zwischen hohen Bäumen bergab, dann schickt euch eine Kehre direkt in den ersten längeren Anstieg. Der macht warm, bleibt aber angenehm fahrbar. Das Muster zieht sich durch die ganze Runde: Die Steigungen sind da, dürfen auch mal länger sein, werden aber nie gemein. Vieles rollt auf sauberem, festem, stellenweise fast frischgewalztem Gucci Gravel; ein paar Asphaltstücke nehmen zusätzlich den Druck aus den Rampen. Selbst Passagen, bei denen Komoot schon mal die Stirn in Falten legt, waren in echt deutlich entspannter als erwartet.

Skisprungschanze, Panorama und ein richtig guter Anstieg

Über Kottenheide rollt ihr bergab Richtung Klingenthal. Unterwegs geht es direkt *durch* die Skisprungschanze “Sparkasse Vogtland Arena” – schon das Ortschild lässt einen kurz grinsen: "Sankt Anlauf". So nah an einem dieser „Tempel des Wintersports“ zu stehen, ist durchaus beeindruckend. Wir bleiben trotzdem lieber beim Rollen als beim Runterspringen. Wenig später öffnet sich der Blick ins Klingenthal: klarer Foto-Stopp, bevor ihr schnell unten im Ort seid.

Wir haben in Klingenthal noch einen kleinen Schlenker zum Sportshop für zusätzliche Wasserflaschen gemacht. An heißen Tagen eine ziemlich kluge Idee – erst recht, wenn danach noch weitere Tourtage warten. Zurück auf der Route kommt einer der schönsten Abschnitte: ein frisch hergerichteter Gravelanstieg Richtung Waldhotel Vogtland. Meist zieht er mit angenehmen fünf Prozent dahin, abschnittsweise auch auf Asphalt. Kein Kampf. Einfach ein Anstieg, den man gern fährt.

Danach geht es weiter bergauf durch den Wald, vorbei am Skisportzentrum bis zum höchsten Punkt der Runde am Schneckenstein. Nicht verpassen: Für die letzten Meter heißt es kurz schieben oder laufen. Und manchmal bleiben eben nicht die großen Aussichtspunkte hängen, sondern die kleinen Dinge. Wilde Himbeeren am Wegesrand, so viele und so gut, dass Kindheitserinnerungen aufploppen. Dazu landete ein Schmetterling auf unserer Haut und holte sich offenbar die Mineralien zurück, die wir ausgeschwitzt hatten. Gravel-Moment, ganz ohne Filter.

Flow statt Gerumpel

Nach den Anstiegen folgt die Belohnung: lange Gravelabfahrten, auf denen der Bock einfach rennt. Nicht zu tief, nicht zu grob, nicht so steil, dass die Finger dauerhaft an den Bremshebeln wohnen müssen. Dafür lang genug für echten Flow. Sieben, acht, zehn Minuten rollen lassen, Kurve um Kurve – und wieder wissen, warum dieses Rad so viel Spaß macht.

Über Hammerbrücke und Grünbach geht es weiter Richtung Muldenberg. Unterwegs wären die Rissfälle ein möglicher Stopp. Bei uns waren sie wegen der Trockenheit dieses Jahr allerdings kaum vorhanden – also weiter. Ab hier wird der Untergrund stellenweise etwas gröber, aber nichts Wildes. Die langen Geraden täuschen dafür gern über ihre Steilheit hinweg. Nicht immer auf die Augen hören, besser aufs Gefühl. Die größere Herausforderung war an diesem Tag ohnehin die Sonne. Ansonsten bleibt es abwechslungsreich: Wald, Wiesen, Moorlandschaft, kleine Seen, kurze Wellen zum Nachdrücken. Kein Abschnitt fühlt sich nach Pflichtprogramm an.

Talsperre Muldenberg und ein runder Abschluss

An der Talsperre Muldenberg lohnt eine Pause. Mit Badesachen könnt ihr euch am Badeteich unten abkühlen; ohne geht’s auf der Sperre mit schönem Blick übers Wasser weiter. Ein Stück begleitet die Bahnlinie die weitere Strecke, bevor ein paar rütteligere hundert Meter folgen. Die sind aber schnell vergessen, wenn man auf gutem Schotter wieder Schwung aufnimmt.

Danach bleibt die Runde schnell und flüssig bis zurück nach Schöneck. Unser Fazit: Das Vogtland kann Gravel. Und zwar richtig gut. Die Wege sind überwiegend sauber und schnell, die Höhenmeter sportlich, aber fair. Dazu kommen genug Landschaft und kleine Überraschungen, damit diese Tour deutlich mehr bleibt als eine Linie auf der Karte.

Für absolute Gravel-Neulinge ist die Runde wegen der Höhenmeter vielleicht nicht die erste Wahl. Wer ein bisschen Ausdauer mitbringt und flotte Pisten mag, bekommt hier aber eine richtig runde Ausfahrt. Ihr könnt sie sportlich durchziehen, ohne groß stehen zu bleiben – oder euch Zeit lassen und jeden Foto-, Himbeer- und Aussichtsstopp mitnehmen. Wenn der Rest des Vogtlands genauso abliefert, kommen wir definitiv wieder.

Unsere Kurzbewertung: Schnelle, sehr gut fahrbare Gravelrunde mit langen Flow-Abfahrten, fairen Anstiegen und viel Vogtland-Panorama zum Genießen. Ein kleiner Geheimtipp in Sachsen.

Unsere Unterbringung im Waldhotel Vogtland

Eine weitere richtig angenehme Überraschung auf unserer Runde war das Waldhotel Vogtland. Es liegt direkt an der Strecke und ist damit ein perfekter Stopp – oder gleich eine sehr gute Basis für ein paar Tage Graveln im Vogtland.

Mitten im Wald gelegen, ist man hier schön abgeschieden und trotzdem bestens versorgt. Die Anlage ist etwas größer, fühlt sich aber entspannt an. Unser Zimmer war großzügig geschnitten, mit getrenntem Schlaf- und Wohnbereich sowie einem kleinen Balkon. Letzterer war nach der Tour natürlich direkt als Trockenplatz für die Radklamotten im Einsatz. Für die Bikes gibt es außerdem einen eigenen Fahrradraum, der im Winter wohl zur Sauna wird – ziemlich gute Doppelnutzung.

Besonders hängen geblieben ist uns das Restaurant: eine kleine, regionale und saisonale Karte, auf der man trotzdem alles findet, was man sich nach einem langen Tag im Sattel wünscht. Und vor allem: richtig gute Qualität. Auch beim Frühstück merkt man, dass aktive Gäste hier willkommen sind – radlerfreundlich, unkompliziert und genau richtig, um wieder gut in den Tag zu starten.

Dazu gibt es eine schöne Saunalandschaft, und ein Pool ist bereits im Bau. Für die kommenden Saisons wird das Waldhotel Vogtland also noch spannender. Unser Fazit: sehr entspannter Ort für alle, die nach einer Gravelrunde gut essen, die Beine hochlegen und am nächsten Morgen direkt wieder in den Wald rollen wollen.

Die empfohlenen Gravelbike Routen im Vogtland

Das Vogtland hat noch einiges mehr an Routen und Aussichtspunkten zu bieten. Eine Übersicht aller Gravel-Touren findet ihr bei Vogtland Tourismus. Viele Strecken verlaufen auf gut gepflegten Rad-, Wald- und Wirtschaftswegen durch Wiesen und Wälder. Der Untergrund ist meist fest und schnell – genau das richtige Revier für alle, die auf dem Gravelbike lieber rollen lassen als ständig um die nächste Wurzel herumzueiern.

Wenn ihr in Komoot unterwegs seit, könnt ihr die empfohlenen Graveltouren vom Vogtland auch hier finden

Graveltour Markneukirchen – Landwüst – Erlbach

31 Kilometer Oberes Vogtland mit schattigen Wäldern, ruhigen Dörfern und einem aussichtsreichen Abstecher zum Wirtsberg.
Eine kompakte, aber abwechslungsreiche Runde für alle, die flotte Abfahrten und ordentliche Kletterei mögen.

Graveltour Klingenthal – Markneukirchen – Aschberg

62 Kilometer und über 1.000 Höhenmeter durch den Vogtländischen Musikwinkel – mit dichten Wäldern, Bachtälern und dem Aschberg als sportlichem Höhepunkt.
Eine große Runde für starke Beine und alle, die sich ihre Aussicht gern erarbeiten.

Graveltour Klingenthal – Markneukirchen

Diese 48-Kilometer-Runde verbindet die Musikstädte Klingenthal und Markneukirchen über gepflegte Schotterwege, Wälder und stille Täler.
800 Höhenmeter sorgen für genug Arbeit, die flotten Abfahrten und die vielen Ausblicke zahlen aber zuverlässig zurück.

Graveltour – Musikantenradweg Nordrunde (ab Schöneck)

Von Schöneck aus geht es auf eine sportliche Runde durch das obere Vogtland – Waldwege, Panoramen und ordentlich Höhenmeter inklusive.
Eine Tour für alle, die die Beine fordern und danach mit dem Gefühl zurückkommen wollen, wirklich unterwegs gewesen zu sein.

Graveltour – Musikantenradweg Südrunde (ab Bad Elster)

Bad Elster, Bad Brambach, Landwüst, Erlbach und Markneukirchen: 50 Kilometer Vogtland mit viel Landschaft und kleinen Orten entlang der Strecke.
Mit 756 Höhenmetern ist die Südrunde sportlich genug, bleibt dabei aber eine schön abwechslungsreiche Ausfahrt.

Graveltour Plauen – Mühlenviertel

Eine weitläufige 56-Kilometer-Runde raus aus Plauen und hinein ins Vogtländer Mühlenviertel mit seinen ruhigen Dörfern und offenen Landschaften.
Wer gern Strecke macht, aber dabei auf kleine Wellen und abwechslungsreiche Wege nicht verzichten möchte, ist hier richtig.

Graveltour Reuth – Saalburg – Schleiz

59 Kilometer zwischen Vogtland und Thüringen: eine ausgedehnte Runde durch ruhige Landschaften und kleine Orte rund um Reuth, Saalburg und Schleiz.
Mit knapp 600 Höhenmetern eine gute Wahl für einen sportlichen Tag, an dem das Tempo genauso zählt wie die Weite.

Graveltour Burgsteingebiet Reuth – Grobau

Kurz, locker und dennoch nicht langweilig: Die 17 Kilometer durch das Burgsteingebiet eignen sich perfekt für eine kleine Feierabendrunde.
Mit nur rund 130 Höhenmetern ist sie auch ein entspannter Einstieg ins Graveln im Vogtland.

Genussfahrt durch die herbstlichen Wälder zur Osterburg bei Weida

70 Kilometer mit viel Schotter durch farbige Wälder, vorbei am Bismarckturm und entlang des Orlatals bis zur Osterburg bei Weida.
Eine ausgedehnte Genussrunde für den Herbst – ruhig, naturverbunden und mit genug Höhenmetern, damit sie im Kopf bleibt.


Bikepacking & GravelN in Sachsen

Sachsen ist ein vielfältiges Findet mehr Infos zu Sachsen und unsere Ride-Berichte und auf unserer Themenseite Sachsen


Neueste Touren auf GravelDeluxe

Weiter
Weiter

Verloren in Friaul-Julisch Venetien - bikepacking mit Alvento