Bikepacking durchs Erzgebirge, Teil 2: Vom Fichtelberg zur BLOCKLINE
Zwei Tage liegen hinter uns (hier gehts zum ersten Teil), die Beine sind nicht mehr ganz frisch und vor uns wartet der Teil der Route, der aus einer schönen Tour ein richtiges Erzgebirge-Crossing macht. Vom Fichtelberg führt die Tour weiter über Bärenstein, Jöhstadt und Olbernhau bis dorthin, wo die BLOCKLINE schon in Reichweite ist.
Auch jetzt gibt es keine künstlichen Extra-Haken. Stattdessen wechseln sich schnelle Waldwege, Wiesen-Gravel, lange Anstiege und ein paar rauere Passagen ab. Wer sich auf den Rhythmus der Strecke einlässt, bekommt viel Panorama, überraschend viel Abwechslung und am Ende die ideale Verbindung in den nächsten Tag auf der BLOCKLINE.
Bikepacking Erzgebirge Tag 3: Fichtelberg bis ZUR BLOCKLINE
Wir wissen schon beim Frühstück: Heute wird ein Brett. Also essen wir ordentlich. Es ist frischer als am Vortag. Früh rollen wir über kleine Asphalt-Nebenstraßen und Wiesen los, dann folgen wellige Gravelabschnitte, kurze Anstiege und schnelle Abfahrten bis zur Talsperre Cranzahl. Über ihre Mauer sieht man kaum hinweg, weil die Büsche dort hoch stehen.
Dann beginnt der erste richtige Anstieg: hoch auf den Bärenstein. Zunächst geht es über eine Wiese und Schotter, anschließend über ein sehr steiles Asphaltstück.
Respekt an alle, die das ohne Schieben schaffen. Wir schonen die Beine, lassen den Wettbewerbsmodus draußen und schieben ein Stück. Oben warten Aussichtsturm und Gaststätte.
Powermeter-Tipp: Klingt erst mal nach Trainings-Gadget, hat uns auf langen Abenteuern aber enorm geholfen. Ein Leistungsmesser zeigt, wie viel Watt gerade wirklich in die Pedale fließen – und damit, ob ihr noch im nachhaltigen Bereich unterwegs seid oder eure Beine schon langsam leerfahrt. Wir wollen hier nicht zu tief in FTP und Trainingszonen einsteigen. Die einfache Regel: Bleibt auf langen Etappen unter eurer Dauerleistung, dann halten die Beine länger durch. Gerade an steilen Rampen hilft das auch bei der Entscheidung: weiterkurbeln oder lieber kurz schieben?
Für mehrtägige Touren kann ein Powermeter deshalb ein echtes Komfort-Tool sein. Nicht für Bestzeiten, sondern um das Abenteuer konstant genießen zu können. Einen ausführlicheren Guide dazu liefern wir noch nach.
Weiter geht es auf Teilen der Stoneman-Strecke. Ein paar hundert Meter sind hakelig, lösen sich anschließend aber auf einem Radweg auf, der schnell zum nächsten Abschnitt führt. Wer die groben Stellen komplett umgehen möchte, fährt den Hügel zur Bundesstraße hinunter und folgt ihr. Die Straße ist nicht unsere Lieblingslösung, aber eine echte Alternative für alle, die weniger grob unterwegs sein möchten.
Danach kommen wieder schöne Waldpassagen, Gravelwege über Wiesen und ehemalige Bahnstrecken. So erreichen wir Königswalde und hier gibt es zwei kleine Bäckereien direkt an der Strecke. Es heißt Kohlenhydrate auffüllen, denn es wartet ein langer Landstraßenanstieg nach Jöhstadt: fast konstant sieben bis acht Prozent. Gut fahrbar, aber in der Hitze zieht er sich. Mit Gepäck und schweren Rädern können für solche Steigungen schon einmal mehr als 20 Minuten zusammenkommen. Einfach in den Rhythmus kommen und treten, treten, treten.
Ab Jöhstadt geht es zunächst schwungvoll bergab, dann auf einem schattigen Schotterweg hinunter nach Schmalzgrube. Eisenbahn-Fans kommen im Preßnitztal voll auf ihre Kosten. Mit passendem Timing lässt sich hier vielleicht sogar eine Fahrt mit historischen Loks mitnehmen.
Ab Schmalzgrube steigt die Route gediegen auf Schotter im Schatten an - auch hier kommen nochmal 150 Höhenmeter am Stück, aber es geht "fast" von alleine. Dann geht es an einer Wiese entlang, über einen holprigen Wiesenweg und bei uns auch über frisch gemähtes Gras zum nächsten Höhepunkt: dem Hirtstein. Dieses Vulkangebilde lohnt sich oben wie unten und wir merken, man muss nicht bis Irland reisen um kuriose vulkanische Steingebilde zu sehen. Hunger. In der Hirtsteinbaude haben wir sehr sehr gut gegessen, und das wissen auch andere: Wir haben gerade noch einen Platz bekommen - die Baude war propervoll.
Mit vollem Bauch geht es in den Flow: ein bisschen hoch, ein bisschen runter, schnelle Wege durch Wald und Wiesen. Asphalt und Straßenbauarbeiten stören kurz, danach kommen wieder Abschnitte, auf denen der Bock rennt. Die letzten kleinen Anstiege führen über eine Art Hochebene im Wald. Oberhalb von Olbernhau öffnet sich dann noch einmal das Panorama. Das kann für ein paar Fotos genutzt werden - ein Foto-Rahmen steht bereit. Dieser Abschnitt fliegt an einem vorbei - schönes graveln und viel Flow - nicht zu glattgebügelt und null Frust.
In Olbernhau empfehlen wir das Torteneck: eine schicke moderne Konditorei mit sehr gutem Eis zu fairen Preisen. Anschließend fahren wir weiter nach Grünthal. Dort lohnt sich ein kultureller Halt an der Saigerhütte, einem Museumskomplex in der ehemaligen Erzhütte. Hier lässt sich gut nachvollziehen, wie Erzverarbeitung in der Blütezeit des Erzgebirges funktionierte.
Und wie geht es weiter?
Unser Ziel war, das Vogtland direkt mit dem Erzgebirge und der BLOCKLINE zu verbinden. Ab hier habt ihr zwei Möglichkeiten:
Unsere Strecke führt weiter nach Sayda. Von der Kreuztanne geht es am nächsten Tag über die BLOCKLINE, Loop 3, nach Holzhau. So lässt sich das Bikepacking um einen Tag erweitern und einen Loop der BLOCKLINE mitnehmen. Von Holzhau kann man dann mit der Bahn nach Freiberg und weiter - oder die Blockline weiterfahren
Die Alternative: Ihr wollt gar nicht bis zur Blockline? Schade, aber dann steigt schon in Olbernhau in die Bahn Richtung Chemnitz.
Unsere Variante führt weiter über ein längeres Asphaltstück, weil Radwege und Stoneman hier noch einmal ordentlich Höhenmeter kosten würden. Es rollt zügig bis Heidersdorf. Dort beginnt die Steigung nach Sayda: erst entspannt, dann zäher, dann zäh. Schließlich kommt wir nach der Rampe über eine schöne Allee in Sayda rein und auch wieder raus und fahren auf Schotter zum Endpunkt und zur Kreuzung mit der BLOCKLINE am Hotel Kreuztanne. Noch ein paar Höhenmeter, noch ein paar weite Blicke. Dann ist Schluss, wir haben die Route geschafft.
Wir sind ein wenig geplättet - freuen uns aber auf den nächsten Tag auf der BLOCKLINE. Die Bikepacking-Route hierher hat alles, was man sich wünscht, Abgeschiedenheit in Wäldern, Panoramas und eine gute Mischung aus Herausforderung und entspannten Abschnitten. Kein Wunder, die Tour ist die Kombination aus Stoneman Miriquidi, Kammweg und eigenen Abschnitten. Diese Route verbindet deshalb einen etwas technischeren Charakter mit gut fahrbaren Abschnitten – für Bikepackerinnen und Bikepacker mit etwas Erfahrung, ohne künstliche Extra-Haken nur für noch einen weiteren Schotterkilometer.
Die Route mit Gepäcktransfer
Nachdem die Route am Kammweg angelehnt ist, gibt es neben dem klassischen Bikepacking auch eine andere interessante Option. Wer keine Lust hat auf schweres Gepäck auf den technischen (sprich groben) Passagen oder man keine Bikepacking Taschen hat, kann auch den Gepäcktransport buchen. Euer Gepäck wird zwischen den Partnerhotels transportiert und ihr genießt die Tour. Zum Beispiel kann dann die Tour in zwei Tagen (Tag 1+2 kombinieren) gefahren werden. Das Angebot gibt es während der Saison (März bis Oktober) und mehr Informationen dazu gibt es hier
Bikepacking und Gravelbiking in Sachsen
Sachsen ist ein vielfältiges Bundesland und viele Destinationen in diesem Bundesland sind auf unserer Bucketlist. Findet mehr Infos zu Sachsen und unsere Ride-Berichte und auf unserer
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