Bikepacking durchs Erzgebirge: Teil 1 - Vom Vogtland bis zur BLOCKLINE

Einmal mit dem Gravelbike vom Vogtland ins Erzgebirge. Auf vielen Bucketlists stehen hier zuerst die bekannten Namen: BLOCKLINE, Fichtelberg oder das Gravel Camp. Aber das Erzgebirge und Sachsen überhaupt kann doch viel mehr - oder? Als wir dann gefragt wurden, ob wir nicht eine neue Verbindung vom Vogtland bis zur BLOCKLINE scouten, mussten wir nicht lange überlegen.

Gemeinsam mit dem Tourismusverein Erzgebirge entstand zunächst eine Zweitagestour. Nachdem wir vorher schon im Vogtland unterwegs waren, haben wir sie für uns auf drei Tage verteilt. Nicht, weil die Route sonst nicht machbar wäre, sondern weil sie Zeit verdient: für Pausen, für die Gegend und dafür, dass man am Ende des Tages nicht nur kaputt ins Bett fällt, sondern auch noch etwas vom Ort hat.

Die Tour ist kein Radtourismus auf easy, aber auch kein Oldschool-Crossing. Mit Vorbereitung, ausreichend Pausen und einer sinnvollen Einteilung ist sie für Leute mit erster Bikepacking-Erfahrung gut machbar. Wir haben unterwegs in Unterkünften übernachtet; Campingplätze gibt es auf der Strecke nicht überall in direkter Nähe. Wer anders schlafen will, plant seine eigene Variante.

Wichtig ist die Verpflegung. Gerade im Sommer hatten wir zusätzlich Wasser dabei, viele Brunnen waren trocken. In manchen Dörfern können Bäckereien oder Geschäfte geschlossen sein – wegen Urlaub, Wochenende oder Montag. Plant das lieber ein, statt euch auf die nächste offene Tür zu verlassen.

Wer beim Blick auf die Karte denkt: „Kommt mir bekannt vor – ist das nicht die Kammtour oder der Stoneman?“, liegt richtig. Die Route orientiert sich an der Kammtour und der Stoneman Miriquiri entlang des Mittelgebirgskamms an der deutsch-tschechischen Grenze und ergänzt sie um Highlights und Passagen, die auf dem Gravelbike besonders Spaß machen. Das bedeutet natürlich auch: viele Erhebungen, viele Ausblicke und ein Erzgebirge, das sich mal weit, mal ziemlich wild zeigt.

Bikepacking Erzgebirge Tag 1: Mühlleithen bis Potůčky

Los geht es in Mühlleithen am Sportzentrum, mitten im Inneren des Vogtlands. Auf guten Schotterwegen sammelt die Route direkt die ersten Höhenmeter. Und nein: Das ist kein Prolog, nach dem es gemütlich wird. Schon nach dem ersten Kilometer wartet ein kurzes Stück zum Schieben.

Wir sind sofort nah an der tschechischen Grenze und da nimmt man die Wege die da sind. Fünf Minuten später ist die einzige Schiebepassage des Tages erledigt. Danach rollt es an wilden Heidelbeeren vorbei über eine Strecke, die im Winter als Loipe dient. Rechts der Straße schauen wir über die ehemalige Grenze nach Tschechien. Die alten Grenzzaunpfähle stehen teilweise noch und dienen heute als Schneemesspunkte oder Sitzwarte für Greifvögel. Dass dieser Weg früher der Grenzkontrolle diente, ist kaum zu glauben: Heute schaut man einfach rechts und links in den Wald – eine sichtbare Grenze gibt es nicht mehr.

Immer wieder passieren wir Hochmoore, die trotz der trockenen, heißen Tage erstaunlich gut erhalten wirken. Wir starten bei gut 20 Grad, am Nachmittag werden es über 30. Umso besser, dass der Wald Schatten spendet. Ruhig ist es hier und man fühlt sich "in der Natur", auch wenn der Wald natürlich bewirtschaftet wird und man auf einer 5 Meter breiten Schotterpiste dahinradelt.

Die erste Ansage der Strecke kommt früh: die Talsperre Carlsfeld. Die Talsperren im Erzgebirge dienen vor allem als Trinkwasserspeicher. Selbst in diesem trockenen Sommer steht hier noch ordentlich Wasser. Ein paar Fotos und dann müssen wir wieder lachen: Komoot hat eine senkrechte Wand ins Höhenprofil gemalt: entspannt bleiben. An Talsperren kommt die App mitunter auf Ideen, die mit dem Rad wenig zu tun haben.

Danach: Wald, fester schneller Schotter, Rollen lassen. Ziemlich nah an Gucci Gravel. Das leichte Auf und Ab frisst auch mit Gepäck keine Körner. Wir verlassen den klassischen Radfernweg für eine flotte Gravelabfahrt, die in einen Radweg übergeht. Dann steht der nächste längere Anstieg auf dem Zettel.

In der Mitte liegt die Talsperre Sosa, über die die Route führt. Ihre steile Staumauer ist eine Besonderheit und die letzte die so gebaut wurde. Von dort zieht sich eine Asphaltstraße konstant bergauf. Während wir hoch treten kommen wir mit ein paar anderen Radlern ins Gespräch - Bikepacker sind hier nicht an der Tagesordnung und da gibts immer Fragen 😉

Wer einkehren möchte, fährt weiter oben an der vorgesehenen Abzweigung ein paar hundert Meter weiter: Dann liegt ein Gasthaus direkt an der Strecke. Das Gebiet ist generell als Urlaubsziel beliebt, mehrere Radrouten kommen hier vorbei und wir verstehen auch warum - easy to ride und schön.

Wir folgen aber der Route, rollen nach der Steigung wieder ab und legen erst da eine Café-Pause ein. Es hat den Charme, wie bei Nachbarn eingeladen zu sein - der Kaffee ist gut und der Strudel auch. Anschließend geht es durch ein abgelegenes Tal auf Asphalt wieder hinauf, vorbei an den Teufelsteinen. Die Felsen sind ein beliebtes Klettergebiet und brechen die langen Waldkilometer angenehm auf. Über Steinbach geht es zurück in den Wald und auf den nächsten Abschnitt des Fernradwegs.

Vor der finalen Abfahrt fahren wir auf einer Schotterstraße entlang dem Bergbaulehrpfad. Dort kann man an Stollen anhalten und etwas über den Bergbau rund um Johanngeorgenstadt erfahren. Wir nehmen außerdem den Abstecher in die Altstadt mit. Tafeln erzählen dort auch von der Geschichte des Abrisses der alten Gebäude, weil es wohl für die Menschen zu gefährlich wurde – ein spannender Blick auf den Ort.

Zum Tagesende wechseln wir nach Potůčky über die Grenze. Hier gibt es kleine Läden, Markthallen und alles Mögliche von Holzspielzeug über Drogerieartikel bis Kleidung. Wir landen in einem modernen Restaurant neben dem Supermarkt, trinken ein lokales Bier beziehungsweise eines aus einer kleinen tschechischen Craft-Brauerei und essen etwas Ordentliches. Kann schlechter laufen.

Für die Nacht suchen wir uns eine Ferienwohnung mit Platz für Räder und zum trocknen von nassen Klamotten. Ein Bikepacking-Klassiker im Sommer: Am Ende des Tages klebt alles. Waschen und Aufhängen gehört dazu – und braucht Zeit.

Tipp: Lasst euch nicht von Social-Media-Bikepacking-Angeber-Influencern mit Riesendistanzen, Höhenmetern und Zehn-Stunden-Tagen blenden. Ein paar Kilometer weniger lassen Platz für den Abend auch nach den Bikepacking-Pflichten. Taschen aus- und am Morgen einpacken, Wäsche waschen und TROCKNEN, Schlafplatz herrichten (falls ihr draußen schläft) und Essen. Das kostet Zeit, ist aber auch der Charme von Bikepacking. Man ist ja nicht bei der Arbeit und will auch ein paar ruhige Momente genießen.

Bikepacking Erzgebirge Tag 2: Potůčky bis Fichtelberg

Tag zwei ist eine andere Hausnummer. Der Großteil der Strecke liegt auf tschechischer Seite, und der Untergrund wird unruhiger. Schon nach ein paar hundert Metern steigt die Straße auf Asphalt-Gravel-Mix an. Nichts Fieses, aber für die erste Dreiviertelstunde ist direkt Arbeit da. Der Radcomputer macht keine falschen Versprechen.

Auf der Karte seht ihr dann einen Haken mit einer Alternative. Die Route führt erst über sehr groben Schotter (hier besser schieben), dann ein normaler Weg ins Dorf hinunter, über Asphalt weiter bergauf und schließlich ein steiler, gepflasterter Abschnitt zum Highlight, der Wolfspinge. Mit voll beladenem Gravelbike haben wir diesen Pflasterhang geschoben. Das geht ganz gut, und auch unsere Empfehlung - ist aber kein Pflichtprogramm.

Die Alternative folgt der Stoneman Route. Ihr biegt vor kurz bevor es kurz bergab geht ab und folgt auf einem breiten, groben Singletrail bergauf – je nach Können fahrend oder schiebend – bis zum Aussichtsturm mit Imbiss. Dort könnt ihr die Räder abstellen und zu Fuß zu den Wolfspinge hinuntergehen. Beide Varianten funktionieren; nehmt die, die besser zu euch und eurem Gepäck passt.

Die Klippen an den Wolfspinge sind nicht natürlich entstanden, sondern Zeugnisse des Bergbaus. Hier wurde Erz abgebaut und der Berg bearbeitet. Etwas oberhalb liegen abgesperrte Eislöcher (Eisspinge), in denen selbst im Sommer Schnee und Eis vorkommen können. Bei unseren Temperaturen war davon nichts zu sehen. Der Weg ist schön hergerichtet, zu Fuß besonders entspannt und mit dem Rad ebenfalls machbar, wenn man die steilen Stücke einfach schiebt.

Auf tschechischer Seite gibt es deutlich mehr Einkehrmöglichkeiten. Das Gebiet ist bei Ausflüglern beliebt, ungefähr alle halbe Stunde taucht eine Pausenoption auf wie hier oben auf dem Plattenberg. Wir fahren weiter: erst Landstraße, dann löchriger Schotter zum Moor. Dort steht eine kleine Imbissbude aus Holz, aber irgendwie anders zusammengesetzt, als das Auge es erwartet. Ein Mohnkuchen später sitzen wir wieder im Sattel, aber nur für ein paar Meter.

Eine Passage, die wir gefahren sind, wollen wir euch zeigen, aber nicht uneingeschränkt empfehlen: Sie ist zwar flach, ist am Anfang jedoch so grob, dass das Rad selbst beim Schieben kaum kontrollierbar ist. Später wird es besser und die Strecke führt über eine große Wiese. Für erfahrene Fahrerinnen und Fahrer kann das eine Option sein; die eingezeichnete Alternative ist aber die sinnvollere Wahl.

Auch über die Alternative kommt ihr an der Roten Grube vorbei. Die Landschaft hat hier was von einer Alm: ein See, weitere Hochmoore und immer wieder das Gefühl, weit oben unterwegs zu sein. Der Schnitt sinkt auf diesen Wegen, und die Gelenke bekommen ebenfalls etwas zu tun. Zum Glück bleibt es nicht dauerhaft ruppig. Nach einer schönen Abfahrt folgt ein ausgewiesener tschechischer Wanderweg mit vielen Familien, Schutzhütten und einigen kuriosen Figuren.

Der letzte große Anstieg des Tages bringt 232 Höhenmeter auf 4,8 Kilometern auf den Fichtelberg. Danach geht es auf einem Radweg mit vielen Wandernden zunächst gemächlich hoch und durch das touristische Boží Dar. Anschließend wird es entlang der Skihänge steil, bis wir oben wieder nach Deutschland wechseln.

Wir folgen der Stoneman-Miriquidi-Mountainbike-Route, und so fühlt sich der Abschnitt auch an: steil über eine Wiese, dann der letzte Gravelanstieg zum Fichtelberg. Hier habt ihr wieder die Wahl. Nach den bisherigen Höhenmetern und dem Geschüttel könnt ihr auch einfach auf der Straße zum Fichtelberg bleiben - ihr verliert nichts. Oben warten Rundumblick, Einkehrmöglichkeiten und ein paar Grad weniger – an diesem heißen Tag sehr willkommen. Bei uns gibt es Sächsischen Erbseneintopf und Kartoffelsuppe.

Danach schießt eine Gravelstraße hinunter zur Unterkunft: dem Apart-Hotel von Jens Weißflog. Die Themen-Suiten tragen bekannte Austragungsorte des Skispringens, Platz ist reichlich da. Im Haus stehen Kristallpokale, Helme und Shirts aus vergangenen Olympiazeiten – fast ein kleines Skisprungmuseum. Dazu kommen Wellnessbereich und ein Ruheraum im Blockhausstil mit Blick nach draußen. Nach diesem Tag passt das ziemlich gut.

Zwischenfazit nach zwei Tagen

Nach zwei Tagen stehen schon einige Kilometer, ordentlich Höhenmeter und ziemlich unterschiedliche Wege auf dem Tacho. Tag eins ist der entspannte Einstieg mit viel schnellem Schotter, Talsperren und ruhigen Waldpassagen. Tag zwei fordert deutlich mehr: grober Untergrund, Schiebestücke und die langen Anstiege auf tschechischer Seite machen ihn zum echten Adventure-Bikepacking-Tag.

Genau das macht die Verbindung vom Vogtland bis zum Fichtelberg aber so spannend. Sie ist keine glattgebügelte Gravelrunde, sondern eine Route mit Charakter: mal easy rollend, mal ruppig, immer wieder weit weg vom nächsten Ort. Wer bis hierher fährt, hat bereits eine runde Zweitagestour in den Beinen – und mit dem Fichtelberg einen ziemlich guten Punkt für eine Pause erreicht.

Für uns geht es weiter Richtung BLOCKLINE. Im zweiten Teil warten neue Anstiege, alte Bahntrassen, Vulkangestein und zum Schluss die der Einstieg in das nächste Bikepacking-Abentuer auf der Blockline.

Fahrt Die Route mit Gepäcktransfer

Nachdem die Route am Kammweg angelehnt ist, gibt es neben dem klassischen Bikepacking auch eine andere interessante Option. Wer keine Lust hat auf schweres Gepäck auf den technischen (sprich groben) Passagen oder man keine Bikepacking Taschen hat, kann auch den Gepäcktransport buchen. Euer Gepäck wird zwischen den Partnerhotels transportiert und ihr genießt die Tour. Zum Beispiel kann dann die Tour in zwei Tagen (Tag 1+2 kombinieren) gefahren werden. Das Angebot gibt es während der Saison (März bis Oktober) und mehr Informationen dazu gibt es hier

Bikepacking und Gravelbiking in Sachsen

Sachsen ist ein vielfältiges Bundesland und viele Destinationen in diesem Bundesland sind auf unserer Bucketlist. Findet mehr Infos zu Sachsen und unsere Ride-Berichte und auf unserer
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