Doro bringt mit der Transdinarica genau den Spirit nach GravelDeluxe, den wir alle lieben: echtes, ungeschöntes Abenteuer. Die Route führt quer durch fünf Balkan-Staaten, von Split bis Durrës, und bietet alles, was das Gravel-Herz begehrt – von knackigen Abfahrten bis hin zu wechselnden Temperaturen zwischen kühlen Nächten und sommerlicher Hitze. Es ist eine Tour für die Draufgänger, die auch mit 35 Kilo Gepäck auf dem Bike noch den Flow finden.
Die Landschaft ist wild, die Versorgung manchmal eine kleine Herausforderung, aber die Gastfreundschaft entlang der Strecke macht den Weg fast wie von selbst. Wer Lust auf raue Pfade, XC-Feeling und das Übernachten unter freiem Himmel hat, findet hier die nötige Ladung Abenteuerlust. Schau dir vorher schon mal Doros Abenteuer in Portugal oder auf German Divide an, bevor du die Komoot-Collection startest. 🚲
Von Split zur bosnischen Grenze (74 Kilometer | 07:10 | 1560 Meter) Die Fähre legt ab, Split empfängt uns – das Abenteuer beginnt. Der Plan führt uns auf der Transdinarica-Route Richtung Bosnien-Herzegowina, doch der Anteil an Bundesstraßen ist zu hoch, der Asphalt zu präsent für echten Gravel-Flow. Wir suchen den Ausbruch aus dem Verkehr, finden eine Alternative und steuern Sinj an. Von dort aus führt uns der Weg wieder zurück auf die ursprüngliche Line. Kurz hinter der Grenze finden wir schließlich den perfekten Platz für die Nacht.
Von der bosnischen Grenze bis zum Blidinje Jezero (96 Kilometer | 07:04 | 1140 Meter) Die Fahrt führt uns von der bosnischen Grenze direkt Richtung Blidinje Jezero. In Livno treffen wir spontan zwei andere Rider – neue Gesichter, die das Abenteuer bereichern. In Tomislavgrad halten wir am Franziskanerkloster inne; ein Ort, der sofort zur Ruhe kommen lässt. Jetzt, auf 1200 Metern Höhe am See, spüren wir die klare Bergluft. Die Nacht wird kühl.
Vom Blidinje Jezero nach Mostar (56 Kilometer | 04:32 | 520 Meter) Die Nacht ist mild, der Start perfekt. Ein kurzer Blick über den See verrät: Da drüben gibt es sogar einen Campingplatz! Doch heute steht erst mal Genuss auf dem Programm – wir gönnen uns einen Kaffee im brandneuen Café. Nach fünf Kilometern Asphalt knirscht es endlich unter den Reifen. Endlich Gravel! Der Anstieg ist intensiv und fordert uns mit einigen Schiebestücken, aber die Landschaft lässt uns den Schweiß sofort vergessen. Ein kleiner Pro-Tipp für eure Planung: Der Aufstieg dauert genauso lange wie die anschließende Abfahrt. Plant also genug Zeit ein und startet am besten direkt am Blidinje Jezero, statt den Umweg über Tomislavgrad zu nehmen. In Mostar angekommen, schlagen wir unser Lager auf dem Campingplatz Lora auf. Die Stadt ist ein intensives Erlebnis, voller Kontraste. Während das Museum an der Alten Brücke die Grausamkeit des Krieges ungeschönt zeigt, reihen sich direkt daneben die Restaurants aneinander. Ein Ort, der bewegt und sich absolut lohnt.
Von Mostar zum Boracko Jezero (52 Kilometer | 05:57 | 1410 Meter) Der halbe Ruhetag ist vorbei, die Beine sind bereit für neue Kilometer. Nach dem gestrigen Mix aus 550 Höhenmetern bergauf und dem massiven Abstieg von 1650 Metern wartet heute eine echte Herausforderung: Der Weg führt von Mostar zum Boracko Jezero. Da Mostar tief in einer Senke liegt, müssen wir den gestrigen Abstieg direkt wieder ausbügeln. Die Steigung bleibt konstant bei 10 bis 12 Prozent – ein rhythmischer Kampf gegen die Schwerkraft, bei dem nur der Fokus auf dem Trail zählt. Am Boracko Jezero angekommen, finden wir einen offenen Campingplatz, doch die Restaurants haben bereits Feierabend. Eine wichtige Lektion für das nächste Mal: Immer die Vorräte aus Mostar im Gepäck haben. Aber genau diese kleinen Überraschungen gehören zum echten Gravel-Abenteuer dazu.
Vom Boracko Jezero nach Tusila (48 Kilometer | 06:14 | 1710 Meter) Der Flow im Flusstal ist perfekt, doch die Tour fordert uns. Erst rollen wir sanft am Wasser entlang, dann zieht es uns steil den Hang hinauf. Kurz vor dem Pass halten wir inne: Ein kurzer Moment der Ruhe unter einer alten Buche, der Duft von frischem Kaffee in der Nase. Dann der finale Kampf gegen die Schwerkraft. 1600 Höhenmeter sind geschafft, als wir die Tourenhütte erreichen. Das köstliche Hühnerragout mit Reis schmeckt nach purem Erfolg – der perfekte Treibstoff, um jetzt die Suche nach dem idealen Schlafplatz zu starten.
Von Tušila nach Kalinovik (44 Kilometer | 05:28 | 850 Meter) Kurz hinter Tušila finden wir unser Refugium: ein wunderschönes Hochtal. Die Nacht ist alles andere als ruhig, als ein Tier in den Abspannriemen unseres Zeltes hängen bleibt. Am Morgen die Entdeckung: Ein erwachsener Hund und sein kleiner Gefährte aus dem Dorf sind uns bis hierher gefolgt – und wollen jetzt unbedingt beim Frühstück dabei sein.
Nachdem die Sonne das Zelt aus der nächtlichen Feuchtigkeit getrocknet hat, rollen wir über feinen Schotter hinunter zum Fluss. Die Fahrt nach Kalinovik verspricht puren Gravel-Flow. Der Anstieg mit 6–8 % lässt sich locker wegtreten, während wir immer wieder anderen Transdinarica-Ridern begegnen. Da Kalinovik selbst wenig einladend wirkt, suchen wir uns ein neues Ziel: Eine verlassene Wanderhütte. Sie bietet genau das, was wir brauchen – Wasser zum Auffrischen und einen Platz zum Durchatmen.Von Kalinovik nach Scepan Polje (49 Kilometer | 03:34 | 460 Meter) Der letzte Tag in Bosnien-Herzegowina markiert das Finale eines intensiven Kapitels. Wir durchqueren drei Welten: Herzegowina, Bosnien und die Republika Srpska – ein Land, das uns alles abverlangt. Nach dem Aufbruch aus unserer „Tourenhütte“ fließen die ersten 11 km Abfahrt auf Schotter förmlich in die Beine. Während der Asphalt dank der chinesischen Infrastrukturprojekte immer öfter wieder auftaucht, bleibt die Mine in Miljevina eine echte Herausforderung – hier gibt es keine einfache Lösung, nur den Weg. Die Versorgung ist hier ein echtes Abenteuer, doch in Brod rettet uns ein zweites Frühstück an einer Tankstelle den Tag. Mit 50 km und 460 Höhenmetern nutzen wir diesen halben Ruhetag für den Flow. Als wir Scepan Polje in Montenegro erreichen, empfängt uns das erste Gewitter der gesamten Tour. Aber wir lassen uns die Lust am Abenteuer nicht nehmen.
Von Scepan-Polje zum Sedlo-Pass (57 Kilometer | 05:53 | 1980 Meter) Montenegro pulsiert – zwischen dem Summen der Motorräder und dem langsamen Rhythmus der Wohnmobile. Der erste Anstieg fordert echtes Gravel-Feeling: Bei 10 bis 16 Prozent Steigung ist ein 51er-Ritzel dein wichtigster Verbündeter. In Trsa legen wir eine lange Mittagspause ein, tanken Energie und lassen die Beine ruhen. Danach geht es weiter Richtung Sedlo-Pass, perfekt getimt, um die magische Abendstimmung einzufangen. Der Anstieg rollt deutlich entspannter, mit moderaten 6 bis 8 Prozent. In einer kleinen Senke, kurz vor dem Pass, schlagen wir unser Lager auf. 1700 Höhenmeter – unser bisher höchster Schlafplatz. Die Nacht wird schattig, kühl und absolut intensiv.
Vom Sedlo-Pass nach Krnja Jela (56 Kilometer | 04:19 | 740 Meter) Der Schatten klebt noch an den Trails, die Kälte beißt – doch kaum erreichen wir das Hochtal, bricht die Sonne durch. Hinter dem Pass empfängt uns Zabljak. Überall Baustellen, Kräne, Aufbruchstimmung; das Land wächst und verändert sich. Unsere Tour durch Krnja Jela ist geschafft. Die Beine sind schwer, aber der Fokus liegt bereits auf morgen: Der nächste harte Anstieg wartet. Die Unterkunft ist schlicht, fast schon puristisch. Unsere Gastgeber, ein älteres Ehepaar, sprechen eine Sprache, die wir nicht verstehen. Aber Worte sind hier egal. Wir sitzen zusammen, teilen den Moment und lassen den Tag bei einem kräftigen Raki ausklingen.
Von Krnja Jela nach Stavna (67 Kilometer | 07:06 | 1600 Meter) Nach einem kräftigen Frühstück geht es direkt ans Eingemachte: Der erste Anstieg fordert uns. 11 Kilometer, teilweise 18 % Steigung – die Durchschnittsgeschwindigkeit sinkt auf 5,78 km/h. Doch dann die Belohnung: Auf der Hochebene wartet purer Schotter-Flow, gefolgt von einer spektakulären Abfahrt. In Kolašin gönnen wir uns eine Pause in einer feinen Konditorei, bevor der Weg Richtung Stavna weitergeht. Nach einem kurzen Abschnitt auf der zähen Bundesstraße biegen wir wieder ab und steigen sanft an. Das Ziel: Ein Zeltplatz mitten im Nationalpark auf 1700 Metern – mit einer Aussicht, die einfach nur grandios ist.
Von Stavna nach Lepushë (71 Kilometer | 06:06 | 1110 Meter) Der Tag startet mit einem magischen Sonnenaufgang. Nach dem Packen und einem schnellen Frühstück wagen wir den Abstieg nach Andrijevica. 1000 Höhenmeter auf nur 15 Kilometern – anspruchsvoller Schotter, der alles abverlangt. Wer die Tour in die Gegenrichtung fährt, verpasst das eigentliche Highlight. Danach folgt Asphalt. Ab dem Friedhof von Murino, unserem kurzen Boxenstopp, wird die Strecke zur reinen Transferetappe. In Gusinje, direkt an der Grenze zu Albanien, tanken wir erst einmal ordentlich Kalorien, bevor uns das nächste Land erwartet. Der Aufstieg nach Lepushë ist herrlich. Wir checken in einer wunderschönen Unterkunft ein und entscheiden spontan: Wir bleiben zwei Tage im „Bujtina Lepushe Agroturizme“. Einfach mal ankommen.
Von Lepushe nach Skodra (90 Kilometer | 06:05 | 990 Meter) Frühstück beendet, der Fokus liegt auf der Route. Wir verlassen die Unterkunft im Tal und legen die ersten 100 Höhenmeter hinter uns, um wieder auf den Trail zu kommen. Und dann: Das Spektakel beginnt. Der Abstieg durch das Tal des Lumi i Cemit ist pure Magie. 10 Prozent durchschnittliche Steigung, kaum Verkehr, nur wir und die spektakuläre Kulisse. Ein absoluter Rausch.
Doch die Abfahrt hat zwei Seiten: Ab Tamarë wartet der Gegenanstieg. Die Serpentinen kurz vor dem Pass sind ein Highlight, auch wenn die Motorräder hier leider zunehmen. Kurz hinter dem Pass lassen wir die SH-Straße endlich hinter uns. Am nördlichen Ufer des Skadarkos Jezero holt uns die Realität ein – die SH 1 mit ihren Industriegebieten bricht kurz die Idylle. Aber Shkodra empfängt uns herzlich: geschützte Radwege, Poller und eine lebendige Radsport-Kultur. Der Blick geht schon weiter nach Nordosten: Die Peaks of Balkan rufen, der Weg führt Richtung Kosovo.Von Shkodra nach Valbonë Teil I (51 Kilometer | 03:45 | 800 Meter) Der Ride startet in Shkodra. Zuerst rollen wir über breitere Straßen, die perfekt zum Einrollen sind. Dann biegen wir auf die SH 25 Richtung Koman ab. Der Asphalt ist brandneu – für uns Gravel-Puristen fast schon zu glatt, aber die Strecke zieht einfach. Wir folgen dem Drini, der mit seinen Stauwerken und weiten Wasserflächen die Landschaft prägt. In Koman endet die Straße und das nächste Abenteuer beginnt: Wir tauschen den Sattel gegen das Schiff. Die 30 Kilometer auf dem Wasser sind absolut spektakulär. Nach der Überfahrt führt uns der Weg direkt weiter ins Valbonë-Tal – ein echtes Highlight.
Von Shkodra nach Valbonë Teil II (37 Kilometer | 03:26 | 860 Meter) 88,4 Kilometer unter den Reifen, 1660 Höhenmeter im Gepäck. Der Flow zieht, die Waden brennen und der Schweiß schmeckt nach echtem Abenteuer. Jede Steigung zählt, jeder Meter bringt den nächsten Kick.
Von Valbonë nach Fshajt-Saint Bridge (74 Kilometer | 04:59 | 800 Meter) Der Morgen beginnt am Drini i Bardhë. Ein Wanderweg, der direkt am Campingplatz entlangführt, leitet uns Richtung Valbonë. Das Dorf selbst ist eher bescheiden, aber der Pfad ist pure Inspiration – und das Wasser? Eiskalt und belebend.
Dann heißt es: Kurs auf den Kosovo. Trotz Grenzkontrollstelle bleibt die Passkontrolle uns erspart – entspanntes Rollen ohne Papierkram. Die Kommunikation im Land ist ein Kinderspiel, da viele Menschen Deutsch sprechen und eine starke Verbindung zu Deutschland spüren. Wir bewegen uns auf den größeren Straßen, doch die Autofahrer lassen uns mit viel Rücksicht beim Graveln. Der Campingplatz ist schlicht, unaufgeregt und liegt direkt am Rauschen des Drini i Bardhë.Von Fshajt-Saint Bridge nach Brezovica (70 Kilometer | 06:07 | 1370 Meter) Die schmalen Straßen führen uns Richtung Prizren, doch die Stadt ist zu voll für den echten Gravel-Flow. Wir steuern direkt ins Tal Lumbardi i Prizenit, die Hoffnung auf einen ruhigen Platz zum Zelten im Gepäck. Doch der Sonntag hat seine eigenen Regeln: Die engen Täler füllen sich mit Ausflüglern, und dichte Abgaswolken alter Autos trüben die Freiheit auf zwei Rädern. Ein klares Zeichen: Diese Strecke am Wochenende lieber meiden! Wir sind gezwungen, den harten Anstieg zum Pass in Angriff zu nehmen, wo der Trubel am größten ist. Die Belohnung folgt prompt: Eine rasant-flüssige Abfahrt nach Brezovica. Da Zelten heute nicht drin ist, finden wir eine kleine Unterkunft, in der wir einkehren können. Ein treuer Vierbeiner begleitet uns dabei durch die ganze Etappe.
Von Brezovica nach Tetovo (71 Kilometer | 04:53 | 750 Meter) Glloboçicë liegt hinter uns, der Weg führt direkt nach oben. Der Anstieg zum Pass Richtung Nordmazedonien beginnt. Es ist ruhig, doch die Straße ist im Umbruch: Wo der Asphalt fehlt, rollen wir über Schotter, während der Staub der wenigen LKWs uns einhüllt. Die Abfahrt fordert volle Konzentration – die gefräste Fahrbahn mit ihren markanten Längsrillen macht jede Linie zum kleinen Adrenalinkick. Wir ziehen am majestätischen Rand des Šar-Gebirges entlang, bis wir Tetovo erreichen – eine Stadt, die einfach echt und sympathisch ist. Und als wir fast am Ziel sind, passiert das Beste: Ein Auto hält, der Fahrer steigt aus und schenkt uns eine eiskalte Dose Bitter Lemon. Genau das sind die Momente, für die wir unterwegs sind.
In den Šar-Planina-Nationalpark (45 Kilometer | 04:55 | 1390 Meter) Der Check bei der Polizei ist erledigt: Die Anmeldung in Nordmazedonien steht, das Hotel hat alles geklärt. Kein Stress mit Bußgeldern, kein Risiko – wir sind bereit für die Freiheit. Der Shari-Mountain-Nationalpark empfängt uns mit purer Ruhe, weit weg vom Lärm und dem dichten Verkehr. Kurz hinter Bozovce wird es dann kurzzeitig wild: Bei einer Pause müssen wir unser Brot gegen aufdringliche Pferde verteidigen. Ein echtes Highlight am Wegrand. Die geplante große Runde, die über 2000 Höhenmeter auf losem Schotter führen würde, lassen wir heute aus. Morgen wartet bereits eine harte Etappe, also wählen wir den klugen Weg zurück nach Tetovo. Die Hitze drückt, während wir den bekannten Pfad zurück Richtung „Moloch“ nehmen. Auf dem Rückweg begegnen wir einer Wanderin auf dem High Scardus Trail, der sich direkt entlang der Grenze zwischen Kosovo und Nordmazedonien zieht. Ein kurzer Moment der Inspiration, bevor wir wieder im Trubel von Tetovo landen.
Von Tetovo bis oberhalb von Novo Solo – Teil I (38 Kilometer | 05:56 | 1620 Meter) Raus aus der Komfortzone, weg vom Asphalt, rein in die Wildnis. Die Devise für heute ist klar: Wir meiden das Tal und suchen die alte Route der Transdinarica. Der Start ist früh, 7:00 Uhr am Hotel Diwa in Tetovo. Die ersten 20 Kilometer sind ein echter Test für die Beine – 1280 Höhenmeter ziehen uns steil hinauf Richtung Popova Shapka.
Der geplante Lunch auf einer grünen Wiese endet abrupt, als der Regen früher und heftiger zuschlägt als angekündigt. Ein kurzer Rettungsversuch in eine orthodoxe Kirche, um die Wolken auszusitzen, während wir unter dem Dach Schutz suchen. Nach zwei Stunden bricht das Licht wieder durch, die Wolken ziehen ab und das eigentliche Abenteuer beginnt.
Zuerst heißt es: Kraft sammeln und 200 Höhenmeter auf grobem Schotter schieben. Aber oben angekommen, zahlt sich jede Anstrengung aus. Die Landschaft entfaltet sich in ihrer vollen Pracht – weite Weiden, unverfälsste Natur und Schäferhunde, die uns neugierig beschnuppern, uns aber friedlich gewähren lassen. Die Abfahrt fordert uns auf dem ruppigen Untergrund, doch die Panoramen sind einfach gigantisch. Hier oben zählt nur der Flow, weit weg von Autos und Zivilisation. Am Abend bei Novo Solo suchen wir einen Platz zum Zelten, doch die Nähe zu den Häusern lässt uns weitersuchen. Das Abenteuer geht weiter.Von Tetovo bis oberhalb von Novo Solo Teil II (1 Kilometer | 00:13 | 0 Meter) Der perfekte Schlafplatz wartet kurz vor dem Fluss Bogovinje auf uns. Der Weg dorthin ist purer Gravel-Spirit: Wir rollen durch einen dunklen, unbeleuchteten Tunnel, der noch unter Wasser steht und nach Ziegen- und Schafskot riecht – intensiv, dreckig, echt. Die heutige Etappe ist die neue Königsetappe und hat den Sedlo-Pass offiziell abgelöst. Mit einem Höhenpunkt auf 1968 Metern ist sie technisch die bisher härteste Herausforderung unserer Reise. Jetzt, auf 1350 Metern, haben wir das Zelt aufgeschlagen. Ein leichter Regen setzt ein und trommelt leise auf das Zelt. Kleiner Hinweis für die nächste Etappe: Die Quelle am Platz ist fast versiegt – also rechtzeitig Wasser auffüllen!
Von oberhalb von Novo Solo zum Mavrovo-See (61 Kilometer | 06:52 | 1020 Meter) Der Tag startet in Sonnenschein. Beim Frühstück der Blick auf die noch schneebedeckten Gipfel – die perfekte Kulisse für das, was kommt. Die ersten 10 Kilometer führen uns stetig bergauf, direkt auf den Abstieg zu. Wir wissen: Das wird technisch. Ein Wanderweg mit bis zu 23 % Steigung wartet auf uns. Die Vorstellung war hart, die Realität noch härter. Zwei Kilometer Abfahrt mit voll beladenen Bikes sind pure Schinderei, besonders wenn der Weg durch das halb verlassene Dorf Lomnitsa führt, wo die Pfade komplett zerstört sind.
Endlich erreicht die Straße wieder festen Boden und wir rollen hinunter ins Tal nach Negotino. Die Belohnung? Ein richtig guter Burek, der genau das Richtige ist. Kleiner Tipp für die nächste Tour: Wer sich die Tortur ersparen will, steigt schon in Novo Solo ab. Die Fahrt durch das Tal ist heiß, lang und zieht sich zäh durch die Landschaft, bis der nächste Anstieg zum Mavrovo-See beginnt. Der Schotter hier ist tief und weich, jede Kehre fordert uns. Nach drei intensiven, harten Tagen ist das Ziel klar: Morgen gehört der Tag der Erholung.Vom Mavrovo-See bis kurz hinter Kičevo (63 Kilometer | 07:31 | 1240 Meter) Schotter unter den Reifen, das ist heute alles, was zählt. Die Entscheidung zwischen der einfachen R-Straße und dem technischen Bergpfad von Mavroro nach Kičevo fällt schnell: Wir suchen das Abenteuer über den Pass. Zuerst brennen die Waden – 500 Höhenmeter auf Asphalt, stellenweise 15 % Steigung, bevor der echte Gravel beginnt. Ein kleiner Zwischenfall mit einer stattlichen Herde Schäferhunde zwingt uns zu einem wilden Umweg durch die unberührte Natur, aber genau diese Unvorhersehbarkeit gehört zum Vibe.
Oben auf der Hochebene wartet die Belohnung: absolute Stille und ein grandioser 360-Grad-Ausblick. Doch der Flow ist heute eine echte Herausforderung. Loses Geröll und tiefe, vom Regen gezeichnete Rinnen in der Abfahrt fordern volle Konzentration. Hier geht es nicht um Geschwindigkeit, sondern um das Meistern des Terrains – unser Schnitt liegt bei stolzen 8,5 km/h.
Kičevo empfängt uns eher merkwürdig, ohne klassisches Zentrum, einfach eine lose Ansammlung von Häusern. Aber wir haben das Wichtigste gefunden: eine Eisdiele für den schnellen Energiekick. Die Suche nach einem Schlafplatz führt uns schließlich abseits der R1305 auf einen alten, stillgelegten Weg. Übernachtung im Unbekannten – genau so fühlt sich Gravel an.Von Kičevo nach Bitola (78 Kilometer | 04:23 | 670 Meter) Der Tag der Abkürzung. Die Wege sind trocken, der Boden griffig. Eigentlich führt die Etappe über zwei massive Berge Richtung Kruševo, doch der Blick auf die Route nach Bitola zeigt: zu viel Verkehr im Tal. Wir entscheiden uns gegen den Umweg und für das pure Gravel-Feeling. Die neue Route führt uns direkt über Demir Hisar nach Bitola. Es geht fast nur bergab, durch dichte Wälder und auf einsamen Pfaden, fernab von jeder Hauptstraße. Nach einer verdienten Mittagspause in Demir Hisar erreichen wir Bitola – doch die Stadt schläft. Kein Siegerbier in Sicht, alle Läden geschlossen. Aber der Abend hat noch eine Überraschung: Sechs Kilometer außerhalb, am Campingplatz, wartet die Rettung. Kein Bier, dafür aber eiskalter Rakia.
Rundtour oberhalb von Bitola (43 Kilometer | 07:01 | 610 Meter) Ein Tag Puffer, volle Freiheit. Da wir gestern eine Etappe eingespart haben, sind wir dem Zeitplan weit voraus und bleiben heute in Bitola. Die Komoot-Suche zahlt sich aus: Eine wunderschöne Rundtour wartet direkt oberhalb der Stadt, fast ausschließlich auf feinem Schotter. Ohne das schwere Gepäck im Rücken fühlt sich das Graveln besonders leicht und flüssig an. Wer den Adrenalinkick sucht, nutzt die Downhill-Strecke im Bike-Park. Bitola zeigt sich unter der Woche von seiner besten Seite – lebendig, entspannt und ohne den Sonntags-Trubel. Nach der Tour wartet die Belohnung: Ein leckeres Eis oder ein kühler Kaffee in der Stadt. Versorgt sind wir hier bestens, alles, was wir brauchen, ist direkt vor Ort.
Fotos und Sammlung von Doro