Adria Gravel Escape – Rimini nach San Marino

Rimini – klingt erstmal nach Sand, Sonne und Sonnenöl-Nostalgie. Klar, die goldene Ära der Adria ist schon ein paar Jährchen her. Aber genau das macht den Reiz heute aus: Weniger Trubel, mehr echtes Italien. Die Lidi (Strandbäder) gibt’s noch, die berühmten Strände auch – aber alles ein bisschen entspannter, weniger wie Sardinen gepackt, mehr Charme. Und die Strandkioske? Deutlich besser geworden! Warum das hier was auf Graveldeluxe verloren hat? Ganz einfach: Diese Etappe unserer großen Italien-Tour will beides – Strandzeit mit der Family und feine Gravel-Action. Und Rimini kann beides. Es gibt coole Bike-Hotels mit Touren für alle Levels – vom Graveler bis zum Roadie. Wir haben’s aber selbst in die Hand genommen und unsere Strecke gebaut. Mit ordentlich Schotter, versprochen. Und wo gehts hin: San Marino.

San Marino – ein Stadtstaat wie aus dem Bilderbuch, eigentlich nur ein einziger steiler Hügel mit einer Burg oben drauf. Wer früher schon mal dort war, kennt das Gefühl: Man ist noch in Italien, spricht Italienisch, zahlt mit dem Euro – und doch ist alles irgendwie besonders. Für unsere Tour basteln wir uns eine Mischung aus mehreren lokalen Strecken, die wir vor Ort entdeckt haben. Ein bestimmter Gravel-Abschnitt stand ganz oben auf der Wunschliste – wie sich später zeigt: eine Entscheidung mit Überraschungspotenzial.

Startpunkt ist Rimini, früh morgens, denn der Juni ballert mit Temperaturen jenseits der 30 Grad. Erst rollen wir durch die Stadt, vorbei am römischen Tor, dann geht’s auf dem Radweg quer durchs urbane Gewusel hinaus ins Hinterland. Wir schlängeln uns über kleine Straßen Richtung San Marino – und nicht etwa die klassische Hauptstraße rauf, sondern eine Nebenroute. Damit’s nicht zu gemütlich wird, wollen wir’s wissen: ein Gravel-Anstieg muss her! Wir sind mental vorbereitet, denn italienischer Schotter kann ab 1 % Steigung alles bedeuten – von Traum-Belag bis Matsch-Mine.

Und genau so kommt’s natürlich auch. Das Trail startet ganz harmlos – wir rollen entspannt auf einem kleinen Wanderpfad entlang eines Flusses, mal ruppig, mal smooth, aber immer schön im Schatten. Kurz ein Stück Straße, dann links ab ins Tal – und zack, sind wir mitten im Gravel-Glück: sanftes Auf und Ab, Blütenmeer rechts und links, feinster Schotter unter den Reifen. Doch nach ein paar hundert Metern macht der Weg eine unscheinbare Rechtskurve – und plötzlich ist alles anders. Der Traum wird zur Teststrecke: Grobschotter, tiefe Rinnen, teils bis zu einem Meter ausgewaschen – das Wasser hat hier ganze Arbeit geleistet.

Halb oben angekommen stehen wir vor der Wahl: Links runter, dann wieder rauf auf dem gleichen Katastrophen-Level – oder rechts durchs Gebüsch steil hoch zur Straße schieben. Wir nehmen die Abkürzung durchs Dickicht, fluchen, lachen, schieben – aber hey, selbst gewählt ist halb gewonnen. Oben geht’s dann wieder zivilisiert weiter: über sanfte Anstiege vorbei an MonteGiardino, bis wir schließlich die Hauptstraße nach San Marino kreuzen.

Jetzt wird’s erstmal entspannt – ein paar Kilometer flaches Rollen, bevor der finale Anstieg nach San Marino ansteht. Ab hier geht’s auf der Hauptstraße weiter, und die Sonne knallt gnadenlos von oben. Der Anstieg selbst? Eigentlich ganz human. In gemütlichen Serpentinen schlängeln wir uns nach oben, Kurve für Kurve, bis wir mitten reinrollen ins Getümmel: Touris, Einheimische, Souvenirshops – und dazwischen dieser kleine Platz mit grandiosem Blick übers Hinterland. Ein kurzer Moment zum Durchatmen, Staunen und Wasserflasche auffüllen, bevor’s weiter geht durch den Trubel.

Klar, wir wollten’s wissen – und haben uns natürlich nicht lumpen lassen, auch noch bis ganz hoch zur Rocca von San Marino zu fahren. Oder besser gesagt: zu schieben. Zu viele Leute, zu viele Treppen, zu wenig Platz. Dafür viele verwunderte Blicke, als wir unsere Räder tapfer Stufe für Stufe durch die Menschenmenge wuchten. Oben gab’s zur Belohnung einen verdienten Espresso und was Süßes – Kalorienspeicher auffüllen deluxe! Danach cruisen wir durchs Zentrum zurück und stürzen uns in die Abfahrt.

Querfeldein versteht sich – auf der Suche nach dem etwas anderen Weg zurück. Würden wir die Tour nochmal fahren, würden wir’s anders machen. Auf dem GPX sieht man einen kleinen Haken – da haben wir experimentiert und zurückgefahren. Wir hätten einfach auf der Seitenstraße bleiben sollen als wieder zurück! Unsere Variante war spannend, aber… sagen wir mal: wild. Erst top fahrbar, dann plötzlich Dschungel. Weg zu, Gestrüpp, Schiebepassage. Danach ein herrlicher Trail – der leider mitten auf einer Straße endete, von der aus es nochmal ordentlich hochging. Klar, die Aussicht war wieder stark, aber für alle Nachfahrer: bleibt oben. Spart Kraft und Nerven. Auch wenn wir’s ein bisschen gefeiert haben – manchmal ist Umweg auch Aussicht.

Der Rest der Abfahrt? Einfach Bombe! Auf der kleinen Seitenstraße rollen wir mit breitem Grinsen dahin – immer wieder öffnet sich der Blick bis runter ans Meer. Der Flow stimmt, die Beine freuen sich, und fast wie von selbst landen wir im Norden von Rimini – perfekt, denn so sind wir direkt wieder am Fluss, der uns zackig zurück zur Unterkunft bringt. Fazit: ein rundum gelungener Tag! Klar, ein bisschen heiß war’s, und manchmal auch trubelig, aber genau das macht den Mix aus. Wer in der Gegend ist, findet unzählige Touren – für Gravel, Straße oder beides. San Marino ist auf jeden Fall ein Highlight, das ihr nicht verpassen solltet – ob auf unserem Track oder auf eurem eigenen Weg.

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