Zwischen Lagune und Steilküste – Gravelspaß bei Orbetello in der Toskana
Und es ist Sommer. Auf unserer großen Italien-Tour verschlägt es uns nicht nur an den Lago Trasimeno – auch die toskanische Westküste ruft! Genauer gesagt landen wir bei Orbetello, auf der Halbinsel Monte Argentario. Von einem Campingplatz aus genießen wir das perfekte Setup: ein bisschen Strandurlaub, ein bisschen Gravel-Abenteuer. Orbetello kennen viele vielleicht als Ziel des legendären Tuscany Trails – mehr zum Städtchen gibt’s in der zweiten Tour weiter unten. Jetzt erstmal zu den zwei Abenteuern, die wir hier erlebt haben. Die lohnen sich – versprochen! Mit bestem Wetter (und ordentlich Hitze) starten wir immer früh, was den Vorteil hat: Nach der Tour bleibt genug Zeit für Dolce Vita am Meer.
Orbetello & Monte Argentario Halbinsel Loop
Los geht’s Richtung Monte Argentario! Die Halbinsel ist über drei schmale Landzungen mit dem Festland verbunden – und mittendrin liegt die Lagune mit der kleinen Stadt Orbetello auf einer Art Mini-Halbinsel. Unser Startpunkt: einer der Campingplätze auf der südlichen Landzunge. Aber Achtung: Die Straße dorthin ist stark befahren – richtig zügig sogar. Wir empfehlen daher eine kleine Seitenstraße, die sich über einen versteckten Zaun-Durchlass erreichen lässt. Klingt wild, ist aber machbar – und lohnt sich! Früh starten ist Pflicht, denn schon morgens um sechs zeigt das Thermometer über 20 Grad, angekündigt sind weit über 35. Einmal auf Monte Argentario angekommen, geht’s zum Glück entspannter weiter: Ein ausgebauter Radweg auf einer alten Bahntrasse führt durch kurze Tunnel bis nach Porto Santo Stefano. Von hier legen die Fähren zur Isola del Giglio ab – ein Abenteuer für ein andermal.
In dem kleinen Hafenstädtchen, das sich malerisch den Hang hinaufschlängelt, lohnt sich ein kurzer Stopp: romantische Fotospots en masse und ein schneller Kaffee, bevor’s ernst wird. Denn ab hier geht’s ordentlich bergauf – nicht ewig lang, aber mit knackigen 15 % Steigung. Also: Zähne zusammenbeißen und hoch da! Belohnt wird man schon nach kurzer Zeit mit einer genialen Aussicht – denn jetzt fährt man auf einer Art Höhenstraße, mit ständigem Blick auf das tiefblaue Meer und die Landschaft, die sich unter einem ausbreitet. Der Asphalt? Anfangs traumhaft! Ja, wir wissen – Gravel bedeutet Schotterliebe. Aber hey, Abenteuer ist, was man draus macht. Und in Italien führt oft nur eine Straße sinnvoll weiter – und die nimmt man, wie sie kommt.
Nach ein paar entspannten Kilometern kommt sie dann – die längste Steigung des Tages. Nicht brutal, aber stellenweise ganz schön frech windet sich die Straße auf und ab, mal Kehre, mal Kuppe, mal kleine Rampe. Mit ein, zwei Fotopausen zwischendurch – und davon gibt’s hier wirklich genug – nehmen wir auch diesen Abschnitt souverän. Inzwischen zeigt das Thermometer deutlich über 25 Grad, und wir freuen uns schon auf die Abfahrt. Die bringt uns nicht nur ein bisschen Fahrtwind, sondern hoffentlich auch zu dieser einen Bar, die laut Karte offen hat. Zeit für einen kühlen Espresso? Wir sind sowas von bereit.
Natürlich haben wir Glück – die Bar hat offen! Neben Espresso gibt’s auch süßes Gebäck, genau das Richtige für den kleinen Hänger zwischendurch. Die Bar gehört eigentlich zum Kiosk eines Strands, der weiter unten über einen kleinen Fußweg erreichbar ist. Wer also bei dieser Tour spontan einen Strandabstecher einbauen will – warum nicht? Vielleicht aber eher außerhalb der Hauptsaison.
Übrigens: Entlang der Straße entdecken wir immer wieder Parkplätze mit Gebührenschildern. Noch ist es ruhig – Wochentag, Vorsaison, kaum Autos, nur ein paar LKWs, die uns etwas zu engagiert überholen. Aber man ahnt, was hier in der Hochsaison los ist. Strände, Ferienhäuser – heiß begehrt. Und dann dürfte es auch auf den Straßen kuschliger werden.
Nach unserer Verschnaufpause geht’s gleich wieder knackig bergauf – inklusive Überraschung: Die offizielle Straße verwandelt sich plötzlich in eine nicht asphaltierte Privatstraße, inklusive Schildern wie „Durchfahrt auf eigene Gefahr“. Und genau hier beginnt der Part, den viele von euch von Fotos oder Google Maps vielleicht schon kennen: ein paar richtig schöne Gravel-Kilometer. Bei unserer Tour wird hier gerade ausgebaut – wir wären nicht überrascht, wenn dieser Abschnitt bald asphaltiert wird.
Nach dem Schotterstück rauscht’s nochmal ordentlich bergab – bis nach Sbarcatello. Und dann kommt sie: die Mini-Challenge der Tour. Ein Anstieg mit über 20 % Steigung, bei dem wirklich niemand böse ist, wenn mal kurz geschoben wird. Danach rollt’s wieder: breite Straße, Ferienhäuser links und rechts – Sbarcatello scheint beliebt. Richtung Porto Ercole passiert man noch ein paar alte Festungsanlagen. Wir entscheiden uns nur für die größte – reingehen geht zwar nicht, aber der Ausblick? Mal wieder grandios.
Porto Ercole selbst haut einen nicht vom Hocker – es sei denn, man biegt ab ins kleine, alte Dorf direkt unterhalb der Festung. Der Rest? Ziemlich hafenlastig. Wer mag, kann hier noch eine dritte Festungsanlage besuchen – immerhin war Porto Ercole früher ein strategisch wichtiger Hafen. Die Kastelle stehen also nicht ohne Grund dort.
Uns zieht es weiter – über den Radweg, der schnurstracks nach Orbetello führt. Obwohl Orbetellos Halbinsel vom Festland her ragt und von Wasser umgeben ist, kommt man über eine Auto- und Fahrradbrücke direkt durch die Lagune ins Zentrum. Genau dort gönnen wir uns die zweite Pause. Orbetello erfüllt alle italienischen Kitsch-Klischees: enge Gassen, Palmen, Piazza, Cafés – alles da. Und wie in so vielen Orten dieser Art ist vormittags am meisten los, abends wird’s fast ein bisschen verschlafen.
Nach einer stärkenden Runde in einer charmanten Traditionsbäckerei rollen wir über die Brücke zurück Richtung Campingplatz. Kurz vor Schluss müssen wir nochmal ein Stück auf der normalen Straße fahren – das unangenehmste Teilstück der Tour. Zum Glück können wir bald wieder auf den versteckten Seitenweg wechseln. Mittags ist hier einfach zu viel los.
Fazit: eine richtig schöne Runde, die uns am Ende direkt an den Strand spült – dringend nötig nach der Hitze! Was es rund ums kleine Naturschutzgebiet und die nächste Erkundungstour zu entdecken gibt? Erzählen wir euch im zweiten Teil.
Erkundung der Pineta della Feniglia - Orbetello Lagune
Unsere zweite Tour steht ganz im Zeichen der Natur – eine entspannte Erkundungsrunde durch die umliegenden Naturschutzgebiete, diesmal auch kinderfreundlich. Start ist wieder unser Campingplatz, der auf der Landzunge Richtung Halbinsel liegt. Von hier aus nehmen wir direkt die Seitenstraße – das kurze Stück Hauptstraße dazwischen ist schnell geschafft.
Ab Kilometer 6 rollen wir gemütlich auf dem Radweg weiter bis nach Terra Rossa, eine kleine Siedlung ohne viel Trubel. Dahinter zieht es uns auf die Landzunge La Feniglia. Um reinzukommen, geht’s zu Fuß durch ein Tor – denn der Pinienwald der „Pineta della Feniglia“ wird von den Carabinieri Forestali gepflegt und geschützt.
Jetzt wird’s richtig schön: Auf schmalen Gravelpfaden cruisen wir direkt an der Lagune entlang, immer wieder mit Blick aufs Wasser, eingerahmt von knorrigen Bäumen und Vogelgezwitscher. Naturidylle pur – und trotzdem nie langweilig.
Wir lassen’s gemütlich rollen – nicht nur der Kinder wegen, sondern auch wegen der unzähligen Eidechsen, die vor unseren Reifen ins Gebüsch huschen. Nach 30 oder 40 kleinen Schuppentierchen hören wir auf zu zählen. Alle bekommen einen kleinen Schreck, aber niemand kommt zu Schaden. Entlang der Lagunenseite lässt sich wunderbar Vögel beobachten, während auf der Meerseite immer wieder Strandzugänge auftauchen. Ob man dort baden darf? Nicht ganz klar. Wer auf Nummer sicher gehen will, ist wahrscheinlich besser in der kleinen Ortschafts Feniglia aufgehoben – da ist’s breiter, entspannter, und ein Kiosk sorgt für Erfrischung.
Als der Weg irgendwann zu wild wird, biegen wir ins Innere des Waldes ab und rollen im angenehmen Schatten der Pinien bis ans Ende des Naturschutzgebiets. Dort wartet eine ruhige Nebenstraße, die sich bestens als Radweg eignet – bis nach Orbetello. Dort kehren wir wieder in unsere Lieblingsbäckerei ein (ja, die mit Pizza, Focaccia & dolci!) und schlendern noch kurz durchs Zentrum.
Dann geht’s mit den Kids zurück über die Fahrradbrücke – die kennen wir ja schon vom Vortag – und auf demselben Weg wieder zurück zum Campingplatz. Eine kleine, einfache Tour, die aber richtig Laune macht. Perfekt, um das Strandleben mit ein bisschen Aktivsein aufzufrischen.