Lost Roads & Gravel Dreams – đŸđŸ›€ Monte Ranzo und Valle di Sarca

Goldenes Licht, leere Straßen, frischer Wind: Der November zeigt sich von seiner besten Seite, als wir unsere Gravelbikes in Sarche satteln. Statt der klassischen Runde durchs gesamte Sarca-Tal haben wir diesmal etwas anderes vor – eine Herbsttour abseits der gewohnten Pfade. Mit dabei: verlassene Straßen, einsame Graveltracks, spektakulĂ€re Ausblicke auf den Gardasee, ein Anstieg, den man sonst nur von weitem bestaunt – und ein RĂŒckweg ĂŒber eine Straße, die offiziell eigentlich gar nicht mehr befahrbar ist. Klingt verboten gut? Ist es auch.

Es ist November, die Luft ist frisch, und genau das macht diesen Start so besonders: In Sarche rollen wir los, mit kalten Fingern und warmem Herzen. Zum AufwĂ€rmen gönnen wir uns erstmal einen kleinen Loop auf dem Radweg, der sich von Riva del Garda ins Valle del Sarca zieht – perfekt, um in den Tritt zu kommen. Doch lang lassen wir uns nicht aufhalten. Der Radweg fĂŒhrt uns weiter Richtung Norden, vorbei am funkelnden Lago di Toblino. Hier wurde der Weg 2025 frisch gemacht – butterweich zu fahren und mit einem Blick aufs mĂ€rchenhafte Schloss, das auf seiner kleinen Halbinsel thront. Statt der klassischen Route durch das ganze Sarca-Tal wĂ€hlen wir diesmal eine neue Variante: Mit ein paar Schleichwegen und einem knackigen Anstieg bei Padergnone (Achtung: schön steil!) hangeln wir uns hoch zur Provinzstraße, bevor wir bei Vezzano wieder die Route wechseln – diesmal auf die alte Straße, die sich traumhaft einsam durchs GelĂ€nde zieht. Ein kurzes Zwischental öffnet sich, Felder begleiten uns – und endlich: der erste Gravel unter den Reifen. Bis hierher haben wir schon ordentlich Höhenmeter gesammelt. Doch das wahre Highlight dieser Tour? Das wartet noch auf uns.

Und dann liegt sie plötzlich vor uns: Die Straße hinauf nach Ranzo. Wer schon mal vom Gardasee aus Richtung Mori unterwegs war, hat sie bestimmt gesehen – diese kleine, verlockende Trasse, die sich in die Berge zieht. Und ja, man kann da wirklich hochfahren! Es ist sogar eine ganz offizielle Straße – zumindest bis Ranzo. FĂŒr Rennradfahrer endet hier allerdings die Fahrt: Asphalt aus, U-Turn angesagt. Aber wir? Wir sind auf Gravelbikes unterwegs – und fĂŒr uns beginnt hier erst das echte Abenteuer. Doch noch ist nicht Schluss mit dem Asphalt: Die Straße windet sich weiter bergan, ganz ruhig, fast nostalgisch, wie aus einer anderen Zeit. Kurve um Kurve steigen wir höher, die Aussicht wird spektakulĂ€rer – und Ranzo kommt nĂ€her.

Ranzo ruft – und der Gardasee glitzert

Nach dem Anstieg und ein paar rustikalen Tunneln wird’s plötzlich entspannt. Fast flach gleiten wir dahin – und was fĂŒr ein Ausblick! Vor uns liegt der Gardasee in voller Pracht, wĂ€hrend Ranzo auf der gegenĂŒberliegenden Hangseite in der Sonne glĂ€nzt. Genau da rollen wir jetzt hin. Kleiner Tipp: Komoot will euch hier gerne ĂŒber den steilstmöglichen Ziehweg lotsen – lasst euch nicht beirren! Bleibt einfach auf der normalen Straße und zieht entspannt durch Ranzo hoch. Bald erreicht ihr die breite Schotterstraße – und wow, was fĂŒr ein Unterschied: Statt ruppigem Forstpisten-GewĂŒrge gibt’s hier feinsten, gepflegten Gravel. Breit, griffig und richtig schön zu fahren – das ist Gardasee-Gravel in Bestform. Immer wieder öffnen sich Ausblicke ins Tal, und je weiter wir hineinfahren, desto öfter bleibt man automatisch stehen: Kamera zĂŒcken, staunen, weiterrollen.

Zwischen Seen und Verbotsschildern

Auf dem breiten Weg rauschen wir talwĂ€rts – mit ordentlich Flow – bis wir auf die Straße treffen, die zwischen dem Lago di MalvĂšne und dem Lago di Tenno verlĂ€uft. Die beiden Seen liegen hier fast wie Geschwister nebeneinander, tĂŒrkis, ruhig, ein bisschen mystisch. Wer im Sommer unterwegs ist und Zeit mitbringt, kann sich noch eine kleine Schleife ĂŒber den Lago di Nebbia und den MalvĂšne gönnen – eine echt lohnenswerte Runde. Im November allerdings wird’s frĂŒh dunkel, und unser Zeitbudget war schon gut gefĂŒllt. Aber wir hatten sowieso noch was anderes vor: Statt einfach auf der Straße zurĂŒckzurollen, wollten wir die alte Straße fahren. Die, die eigentlich gesperrt ist. Die mit dem rostigen Zaun am Einstieg – der lĂ€ngst aufgebogen wurde. Die mit den halb verfallenen Tunneln, den Geröllfeldern und den warnenden Schildern. Klingt gefĂ€hrlich? Vielleicht. Aber wir sind nicht umsonst Graveldeluxe – wir lieben genau diese kleinen Abenteuer am Rand der LegalitĂ€t. Und diese Straße? Die liefert.

Finale mit Aussicht

Nach dem kleinen Adrenalinkick auf der verbotenen Straße lassen wir’s nochmal locker angehen: durch San Lorenzo Dorsina und ein paar versteckte Nebenstraßen. Irgendwann landen wir dann doch auf der Hauptstraße – nicht ideal, aber manchmal muss man eben flexibel bleiben. Wir waren uns nicht sicher, wie verlĂ€sslich die Schotterwege weiter unten sind, und Überraschungen erlebt man hier schnell mal. Also: Lichter an, Kopf hoch, und runter geht’s zur BrĂŒcke ĂŒber den Sarca. Direkt nach dem Kreisverkehr beginnt dann zum GlĂŒck wieder der Radweg – und was fĂŒr einer! Es ist die alte Straße, bevor Tunnel und Verkehr kamen. Und sie ist ein echter Tipp: ruhig, landschaftlich der Wahnsinn und mit den Ausblicken ins Sarca-Tal, die ihr vielleicht schon von Instagram kennt. Wer hier nicht nochmal kurz anhĂ€lt und staunt, ist selbst schuld. FĂŒr uns ist es das perfekte Ende dieser goldenen Herbsttour – und definitiv eine Strecke, die man sich merken sollte.

Diese Tour hat alles, was wir lieben: Schotter, Serpentinen, Seenblicke, alte Straßen und ein bisschen Nervenkitzel. Und auch wenn wir uns am Ende fĂŒr die sichere RĂŒckfahrt ĂŒber die Hauptstraße entscheiden – der finale Abschnitt auf dem alten Radweg entlang des Sarca-Tals rundet das Abenteuer perfekt ab. Wer im Herbst unterwegs ist, sollte diese Route auf dem Zettel haben: wenig Verkehr, viel AtmosphĂ€re, und garantiert kein bisschen langweilig. Gravelherz, was willst du mehr?

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