Teil 2 - RockHead: Rot und Schwarz – zwei Etappen, ein langer Tag zwischen Oberlausitz und Zittauer Gebirge
Nach Grün wartet der härteste Abschnitt unseres RockHead: Rot und Schwarz verbinden wir zu einem langen Tag; wir geben trotzdem Hinweise, wo die Rote Etappe endet, und die Schwarze fühlt sich natürlich anders an, wenn man schon eine Etappe in den Beinen hat. So könnt ihr besser entscheiden, ob diese Kombination für euch passt. Unser geplanter Abstecher zur Klosterruine Oybin fällt am Ende leider aus – warum, zeigt sich später.
Wer beide Etappen kombiniert, sollte früh losfahren, Reserven einplanen und sich nicht zu schade sein, an den richtigen Stellen zu schieben.
Ihr habt den ersten Teil unserer Reise noch nicht gelesen? Oder ihr sucht den Abschluss? Hier sind die Links.
Rote Etappe: Sohland/Spree bis Großschönau
Nach einem ordentlichen Frühstück (wir haben wie Senioren im All-Inclusive vor der Tür zum Frühstücksraum gewartet) geht ab Sohland schnell auf frisch geschotterte Wege und einfache Singletrail-Passagen. An einer steilen Auffahrt sagt schon das Verkehrsschild alles: 17 Prozent gleich am Anfang. Wir schieben, weil wir bei dieser Tageslänge nicht schon auf den ersten Metern die Beine leeren wollen.
Danach rollt Rot vergleichsweise entspannt durch die Gegend: vorbei an alten Fabrikgebäuden und sehenswerten historischen Häusern, auf Radwegen und kleinen Straßen, dann wieder durch Wald und Wiesen. Dieses ständige Auf und Ab ist der Kern der Etappe: Auf jede knackige Rampe folgt meist eine schnelle Abfahrt. Über uns zieht sich der Himmel zu. Regen ist angesagt – nach den heißen Vortagen nicht die schlechteste Nachricht, nur nass werden wollen wir trotzdem nicht.
An einer Windmühle machen wir Fotos und planen die nächste Pause in Walddorf. Wir geben Gas im Wald auf der Steigung, doch dann setzt der Regen ausgerechnet zur Abfahrt ein. Es wird eine leicht nasse Angelegenheit, denn die Regenjacken ziehen wir erst auf halber Strecke an, man ist ja optimistisch. Die erste Pausen-Adresse die wir anfahren ist wegen einer geschlossenen Gesellschaft dicht, also weiter im Regen zu einer Bäckerei. Auch die hat leider schon zu. Also warten wir einfach unter einem Dach, bis es aufhört. Es hört auf und ein paar hundert Meter weiter finden wir Kaffee und Kuchen.
Wir wollen gerade weiter, dann streikt an einem Rad das Schaltwerk.
Glück im Unglück: Rund einen Kilometer weiter hat Radsport Oberlausitz geöffnet, gut sichtbar mit RockHead-Fahne. Dort zeigt sich die Ursache schnell: Eine Gepäckträgertasche hat Hülle und Kabel des hinteren Schaltwerks durchgescheuert. Nach einer guten halben Stunde ist der Fix erledigt und die Tour gerettet.
Der Laden ist eng mit dem RockHead verbunden; bei einem langen, angenehmen Gespräch erfahren wir mehr über die Idee hinter der Strecke. Überhaupt werden wir von allen möglichen Leuten gefragt, ob wir auf dem RockHead unterwegs sind – die Route scheint schon gut in der Region angekommen zu sein - nicht so sehr wie die Blockline, aber immerhin. Für uns bleibt außerdem ein praktischer Merksatz: Wer eine längere Tour plant, notiert sich besser vorher mögliche Radservicepunkte. Wir hatten es diesmal nicht getan und hatten trotzdem Glück.
Weiter geht es über Feldwege, erst flott, dann wieder abenteuerlicher. Zum Großen Stein führt ein extrem zugewachsener Weg neben einem Kornfeld, anschließend ein kaum sichtbarer und recht steiler Pfad bergauf auf einer Wiese. Auf der anderen Seite wird es besser. Ein Wiesenstück mit vielen verdeckten Löchern gefällt uns dagegen gar nicht; hier empfehlen wir nicht zu schnell zu machen. Die Einmündung in den besseren Weg ist zudem fast zugewachsen. Danach führt Schotter durch den Wald, die Sicht wird weiter, und schließlich erreichen wir Großschönau.
Als einzelne Etappe ist Rot stimmig und abwechslungsreich: Dörfer, Felder, Windmühle, kleinere Highlights und ein paar Abschnitte, die mehr verlangen als ein Blick auf die Karte verrät. Großschönau liefert zum Schluss besonders viele Umgebindehäuser; wer Zeit hat, kann auch das örtliche Damast- und Frottiermuseum mitnehmen. Beim nächsten Mal würden wir eher Grün und Rot zusammenlegen. Die schwarze Etappe hat selbst genug Höhenmeter und braucht Zeit – besonders bei gutem Wetter, wenn der Hochwald seine Aufmerksamkeit verdient.
Schwarze Etappe: Großschönau bis Zittau
Es nieselt immer wieder und von Großschönau startet die Schwarze Etappe zunächst freundlich auf der alten Landstraße Richtung Waltersdorf. Die Steigung zieht sich, aber in Waltersdorf wartet eine Kaffeerösterei. Leckere Spezial-Kaffees und zwei riesige Zwetschgenklöße, geteilt zu zweit: genug Treibstoff für das, was kommt.
Hinter Waltersdorf biegt die Strecke von der Straße in einen kleinen Wanderweg. Das ist der vielleicht deutlichste Abenteuer-Moment der bisherigen Tour: Wurzeln, die man nicht einfach wegrollt, matschiger Untergrund und mehrere Schiebepassagen. Wir fragen uns erneut, ob der Track wirklich stimmen kann. Nach Jonsdorf und einem steilem Stück Straße geht es wieder weg davon – und wieder wird geschoben.
Der Grund für die Mühe heißt Johannisstein, direkt an der deutsch-tschechischen Grenze. Hochfahren werden ihn wohl nur sehr geübte Mountainbikerinnen und Mountainbiker mit leichter Übersetzung; im Bikepacking-Modus schiebt man realistischerweise. Die Aussicht lohnt sich: Bei passender Sicht geht der Blick bis Zittau und ins Isergebirge. Die Schafe unterhalb schauen dem Fahrrad-klimmt-den-Hügel-hoch Spektakel gelassen zu.
Es folgt grober Schotter und die Abzweigung zum Hochwald. Bei schlechtem Wetter würden wir diesen Abstecher auslassen. Wir schieben die Räder komplett nach oben, teils bei rund 20 Prozent Steigung, und stehen dann im Nebel. Ohne Sicht fehlt dem Panorama der entscheidende Teil. Der Hochwaldturm steht auf 749 Metern und ist gerade deshalb ein Ausflugsziel – bei uns leider komplett in Wolken. Plant für den Hochwald Zeit ein: Mit Rädern schieben sind schnell 40 Minuten weg, und bei guter Aussicht will man oben nicht gleich wieder weiterhetzen.
Was ihr nicht auslassen solltet: die Kelchsteine. Sie sind eines der prägenden RockHead-Motive und ihr kommt ihnen nirgends auf der Strecke so nah. Zwischen den Sandsteingebilden führt ein Pfad hindurch, danach geht es weiter bergab an weiteren Felsen vorbei. Fotoalarm ohne Ende – passt nur auf, dass euch vom Hochsehen nicht der Nacken steif wird.
Die Klosterruine Oybin lassen wir schweren Herzens aus. Der zusätzliche Anstieg wäre noch einmal saftig, das wäre nicht das Problem, aber es ist spät, und die Reparatur hat Zeit gekostet. Also rauschen wir zum Olbersdorfer See, umrunden ihn halb und fahren weiter in die Zittauer Innenstadt zum Hotel.
Schwarz wirkt auf dem Papier kurz, ist aber vollgepackt: Highlights, anspruchsvolles Terrain und Höhenmeter, die nicht schnell verschwinden. Für diese Etappe gilt noch stärker als für die anderen: Gebt ihr gutes Wetter und ausreichend Zeit. Dann spielt sie ihre Stärken aus. Wir gönnen uns nach dem langen Tag eine Dusche und etwas asiatisches Essen in Zittau. Die Wäsche muss gemacht werden und die Schuhe trocknen. Der Himmel bleibt frisch, die Hoffnung auf besseres Wetter für morgen auch.
Unsere Unterkünfte auf dem RockHead
Wer den Rockhead nicht an einem Tag fährt (was wir auch nicht empfehlen, schließlich bietet die Region genug um sie ausgiebig zu erkunden) macht sich sicher wegen den Unterkünften gedanken. Es gibt eine Reihe von RockHead Gastgebern. Die Auswahl ist noch klein, aber es gibt auch weitere Unerkünfte die ihr buchen könnt. Neben den Rockhead Gastgebern Kutscherhaus, Lichtenhainer Wasserfälle, Hotel Stadt Löbau - haben wir uns auch Landhotel Thürmchen und Ringhotel Dreiländereckk Zittau gut versorgt gefühlt.
Kleiner Hinweis am Rande: Eine Route wie diese lebt natürlich davon dass die Region auch von ihr profitiert - sprich, dass man in die Angebote der Betriebe vor Ort in Anspruch nimmt - ob es jetzt Unterkünfte, Restaurants, lokale Geschäfte oder Sehenswürdigkeiten sind. Wir haben am Beispiel der BLOCKLINE gesehen, wie cool eine Region mit dem Thema Bikepacking und Gravel umgehen kann und wünschen das auch dem RockHead, dafür müssen wir als GravelBiker auch unseren Teil beitragen.
Bikepacking und Gravelbiking in Sachsen
Sachsen ist ein vielfältiges Bundesland und viele Destinationen in diesem Bundesland sind auf unserer Bucketlist. Findet mehr Infos zu Sachsen und unsere Ride-Berichte und auf unserer
Themenseite Sachsen