Teil 3 - RockHead: Orange bis Lila – drei Etappen Graveln, schauen, ballern

Nach der Etappenkombi Rot+Schwarz nach Zittau ist erst einmal Regeneration angesagt. Wir drehen am Abend noch eine Runde durch die Stadt, kommen im Hotel runter und freuen uns auf klarere Sicht am nächsten Tag. Die wird es auch geben. Dazu ein ordentliches Frühstück – so schöpfen wir wieder Schwung. Denn die nächsten Etappen sind mehr klassisches Graveln. Ein guter Mix aus Schotter und Straße, Climbs mit Aussicht, aber auch Abschnitte, auf denen man ordentlich ballern kann.

RockHead Orange Etappe: Graveln in Reinform von Zittau bis Löbau

Die orange Etappe startet dort, wo wir am Vorabend aufgehört haben: am Olbersdorfer See. Von hier rollen wir zunächst fast nur auf Asphalt. Schöne Radwege und abgelegene Straßen machen den Auftakt entspannt; an einer kleinen Straße müssen wir sogar an einer Ampel warten, weil dort nur abwechselnd Einbahnverkehr gibt.

In Niederoderwitz endet das Einrollen. Der erste Gravelabschnitt beginnt direkt mit einer kräftigen Steigung auf losem Geröll. Oben wird die Mühe mit weitem Blick über die Landschaft belohnt, auf der Rückseite geht es dann mit Schwung über den Gravelweg wieder hinunter. Gegenüber im Wald folgen schnelle Auf-und-ab-Passagen auf guten Wegen und ein richtig flowiger Singletrail. Der lässt sich schön drücken – bis zum Finale, das noch einmal saftig nach oben zieht.

Der RockHead wäre nicht der RockHead, wenn nicht irgendwann ein Weg ein bisschen zugewachsen wäre. Unser Hinweis aus eigener Erfahrung: Kämpft euch nicht blind durch Dornen und Hecken, nur weil die Linie auf dem Track dort entlangläuft. Ein Platten ist ein ziemlich schlechter Preis für Prinzipientreue. Oft gibt es einen Parallelweg, der zum selben Ziel führt. Wir merken das erst, als wir auf genau so einem freien Weg landen und uns ein bisschen an die Stirn fassen. Gravelbike-Live.

Es bleibt fordernd. Über den Kreuzgrund geht es auf rütteligem Schotter bergauf, in besonders steilen Stücken sogar auf Pflaster. Im nächsten Ort sammeln wir auf Asphalt noch einmal gut hundert Höhenmeter. Dann kommen wir an der Manufaktur der Herrnhuter Sterne vorbei. Das Museum hat leider geschlossen, also fahren wir weiter – durch Herrnhut, über weitere Gravelpassagen und schließlich auf einer Landstraße dem größten Anstieg des Tages entgegen.

Der Löbauer Berg ist das Highlight, aber er will verdient werden. Sobald es dauerhaft über zehn Prozent geht, steigen wir mit den schwer beladenen Bikes ab und schieben, um die Beine für die kommenden Tage zu schonen. Oben lässt sich wieder ein Stück fahren, bevor das Finale mit mehr als 20 Prozent erneut nach einer Schiebepassage verlangt.

Der König-Friedrich-August-Turm aus Gusseisen ist aber wirklich ein besonderes Ding. Über die Wendeltreppe geht es bis ganz nach oben, dann öffnet sich der Rundumblick über Löbau und weit darüber hinaus. In der Baude gibt es eine kleine Stärkung. Wir lassen den Blick schon einmal zur nächsten Etappe schweifen.

Ganz fertig sind wir noch nicht: Es geht auf Gravel bergab nach Löbau, ins Hotel und das war’s für eine eher kurze, aber keineswegs völlig entspannte Recovery-Stage. Hitze, grober Schotter, ein paar Schiebepassagen und ein bisschen Gegenwind haben trotzdem Energie gezogen.

Abends finden wir neben dem Katzenturm ein türkisches Restaurant. Bohnensalat und Kebabs werden frisch zubereitet, das dauert einen Moment – lohnt sich aber. Gut gewürzt, satt und mit Abendlicht in der Stadt: genau richtig vor dem kilometerreichsten Tag.

Bikepacking Hack

Bevor es weitergeht, ein kleiner Bikepacking-Hack aus der Kategorie „macht das Hotelleben leichter“: Wir haben bei drei Flaschen pro Person, dazu Taschen, Radcomputer, Handys und den üblichen Kleinkram schnell alle Hände voll. Eine kleine faltbare Tasche für Wertsachen und ein ultraleichter, zusammenlegbarer Sechser-Flaschenträger sparen da ordentlich Nerven. Die Radgarage liegt eben nicht immer neben dem Zimmer. Mal geht es über die Straße, mal durchs Nebengebäude, mal gefühlt einmal durch den Heizungskeller. Die RockHead-Unterkünfte sind auf Räder eingestellt – praktisch ist es trotzdem, wenn man sein Zeug in einem Zug transportieren kann.

Rockhead Blaue Etappe: Löbau bis Stolpen

Nach einem frühen, kräftigen Frühstück starten wir in Löbau. Etappe Blau ist mit 66 Kilometern und 1.060 Höhenmetern die längste offizielle Etappe des RockHead. Wir hängen Lila gleich noch an. Damit wird es ein langer Tag – vor allem, weil Stolpen eigentlich mehr Zeit verdient.

Zunächst geht es aus der Stadt und über ein wenig Gravel auf einen sehr schönen Radweg auf ehemaliger Bahntrasse (hat man öfter 😉). Bäume säumen die Strecke und liefern Schatten, die Steigung bleibt so sanft, dass wir gut Kilometer machen können. Das ist der entspannte Teil von Blau. Energie sparen lohnt sich.

Die erste große Steigung sammelt über vier Kilometer mehr als 200 Höhenmeter. Klingt erst einmal so mittel-viel, lässt sich aber gut einteilen: steilere Passagen wechseln sich mit flacheren Stücken ab, immer wieder gibt es Raum zum Durchatmen. Die letzten beiden Rampen haben es noch einmal in sich. Oben steht eine große Gastwirtschaft mit Aussichtsturm – montags geschlossen. Ohne unsere Drohne hätten wir von der Aussicht wenig mitbekommen, denn die Bäume lassen am Boden kaum etwas erahnen.

Danach geht es auf glattem, Tour-de-France-tauglichem Asphalt wieder hinunter und zurück auf die Bahntrasse. Über Putzkau, eine einsame Landstraße und einen Gravel-Feldweg fahren wir weiter Richtung Schirgiswalde. Den Ort kennen wir schon vom Ende der grünen Etappe, diesmal erreichen wir ihn aber von einer anderen Seite.

Ein steiler Hang führt zunächst auf Asphalt nach oben, dann auf Schotter. Der Blick über die Landschaft und zum böhmisch geprägten Kirchhof von Schirgiswalde lohnt die Auffahrt. Anschließend biegt die Route in einen halb abgeholzten Wald. Hier liegt die einzige echte Schiebepassage der Etappe: kurz, steil, ruppig, zugewachsen. Oben folgt ein Weg, der uns ordentlich durchschüttelt. Zeit für eine Pause im Schatten und für den Proviant, den wir vorsichtshalber in Löbau eingekauft haben.

Das ist nicht übervorsichtig, denn in Sachsen haben montags erstaunlich viele Bäckereien geschlossen. Unser Versuch im nächsten Ort bestätigt das. Gut, dass wir vorbereitet sind – verhungern müssen wir nicht.

Danach wird Blau wieder sehr spaßig: eine putzige Mischung aus Feldweg, kleiner Landstraße und gut fahrbarem Singletrail, gefolgt von Schotterpiste und weitem Blick über die Felder. Die Kilometer fliegen. Fast kommt Toskana-Feeling auf. Der Schotter ist zwar dunkelgrau statt Strade-Bianche-weiß, aber Stolpen taucht schon am Hügel auf – mit seinen Türmen fast wie ein toskanisches Dorf.

Direkt hinein geht es trotzdem nicht. Die Route biegt vorher in ein lauschiges Tal ab, in dem früher mehrere Mühlen standen. Nach der Abfahrt folgt ein finaler, etwas gröberer Feldweg hinauf nach Stolpen. Die Türme der Burg bleiben dabei immer im Blick. Oben, direkt im Stadtkern, haben wir uns die Pause verdient.

Im Biergarten des Schlosshotels gibt es Kartoffeln mit Quark. Unkompliziert, genau richtig. Wir füllen Flaschen auf und schauen uns Stolpen an. Die Burg ist imposant, und allein für sie kann man gut ein paar Stunden einplanen. Auch die Stadt selbst lohnt Zeit. Genau deshalb tut es uns leid, dass wir an unserem Abreisetag schon weiter müssen.

Hinweis für eure Planung: Stolpen ist nicht der einfachste ÖPNV-Knoten, aber ein richtig guter Stopp. Die Burg, der Stadtkern und die Wege dorthin geben genug her, um nicht nur zwischen zwei Etappen an einem langen Tag abgearbeitet zu werden.

RockHead Lila Etappe: Stolpen bis Stadt Wehlen

Die Lila Etappe ist mit 30 Kilometern und 230 Höhenmetern die kürzeste Etappe. Das heißt nicht, dass sie nebensächlich ist. Sie beginnt mit einer schnellen Abfahrt aus Stolpen hinunter zur Wesenitz und führt dann lange über Radwege und kleine Landstraßen. Wer gern gleichmäßig Druck aufs Pedal bringt, kann hier gut rollen lassen.

Bis Dürrröhrsdorf-Dittersbach geht es meist abwärts und ohne große Steigungen. Dort liegt ein schönes Schloss mit großem Park. Neben dem Park folgen wir dem Tal am Fluss entlang auf einem schattigen, fast verträumten Pfad. Nach den heißen Tagen sind wir über jeden Meter Schatten froh.

Die Strecke wechselt dann zwischen Feldern und kleinen Landstraßen, mit der einen oder anderen Steigung die uns immer wieder ins Schwitzen bringt. Da kommt eine Eisdiele gerade recht. Es schmeckt und das Dekor ist ausgefallen, aber lustig. Wir rollen mit schwung über eine schöne Schotterstraße durch den Staub der Erntemaschinen und nehmen den Herrenleiten einen langen, angenehmen Anstieg Richtung Dorf Wehlen.

Zwischen Wald und Wiesen geht es zunächst auf Asphalt, dann auf Schotter und zuletzt über alte Pflastersteine. Die liegen vermutlich schon sehr sehr sehr lange dort und machen den Untergrund entsprechend lebendig. In Dorf Wehlen fahren wir noch durch den ruhigen Ort, bevor die schnelle Abfahrt nach Stadt Wehlen ins Elbtal folgt.

Die Etappe ist kurz und schnell, hat aber genug eigene Szenen. Plant trotzdem Aufmerksamkeit für die Abfahrt nach Stadt Wehlen ein – dort teilt man sich den Raum mit Autoverkehr.

Unsere Empfehlung: So würden wir für fünf Tage den Rockhead aufteilen

Damit endet unser RockHead-Abenteuer nach sieben Etappen in fünf Tagen. Die offizielle Einteilung finden wir grundsätzlich gelungen. Mit mehr Schmalz in den Beinen lässt sich anders kombinieren, viel länger müssen die Tage aber nicht werden. Mit weniger Tagen würden wir sie auch nicht planen: Die Region lebt von Stopps, Aussichtstürmen, kleinen Städten und Pausen. Beim Bikepacking kommen außerdem die täglichen Pflichten dazu wie Taschen ein- und auspacken, ein- und auschecken und die Wäsche – waschen, aufhängen, trocknen. Bei der Hitze ging das gut, und in manchen Hotels bekamen wir sogar einen Wäscheständer.

Wenn wir die Tour noch einmal schneiden würden, sähe unsere Empfehlung ungefähr so aus:

  • Lila mit Gelb verbinden und den Elbsandstein-Abstecher bei guter Zeit direkt mitnehmen.

  • Nach Rot einen echten Stopp einplanen, damit Schwarz bei gutem Wetter die Aufmerksamkeit bekommt, die sie verdient.

  • Schwarz bei Bedarf um Orange verlängern, den Löbauer Berg aber gegebenenfalls als eigenen Höhepunkt am nächsten Tag fahren.

  • In Stolpen mehr Zeit lassen, statt Blau und Lila zwingend zu einem langen Abschlusstag zusammenzuziehen.

Unsere Situation war allerdings speziell. Vor dem RockHead hatten wir schon die Blockline gefahren, waren per Bikepacking herangerollt und hatten zuvor Vogtland und Erzgebirge durchquert. Unterm Strich standen zwölf Tage ohne Ruhetag auf dem Rad. Da haushaltet man irgendwann mit den Kräften. Wie würdet ihr euren RockHead zusammenschneiden? Lasst es uns auf Instagram wissen

Sachsen hat uns auf dieser Reise richtig gut abgeholt: Felsen, Bahntrassen, Schotter, alte Städte, Aussichtstürme und genug Ecken, an denen der Track ein kleines Eigenleben entwickelt. Jetzt bekommen die Beine aber erst einmal ein paar Tage Ruhe. Bis zur nächsten Fahrt mit dem Gravelbike.

Bikepacking und Gravelbiking in Sachsen

Sachsen ist ein vielfältiges Bundesland und viele Destinationen in diesem Bundesland sind auf unserer Bucketlist. Findet mehr Infos zu Sachsen und unsere Ride-Berichte und auf unserer
Themenseite Sachsen


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Teil 2 - RockHead: Rot und Schwarz – zwei Etappen, ein langer Tag zwischen Oberlausitz und Zittauer Gebirge

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