RockHead: Graveln mit Ecken, Kanten und guter Aussicht
„Craft your gravel story“ – beim RockHead ist das nicht bloß ein Claim. Die offizielle Runde durch Sächsische Schweiz und Oberlausitz lässt sich nach Lust, Kondition und Zeit zusammensetzen. Sie hat sieben Etappen, führt über rund 320 Kilometer und sammelt mehr als 4.500 Höhenmeter. Wer hier nur eine glatte Genussrunde erwartet, wird spätestens auf den ersten ruppigen Waldwegen umdenken. Wer ein Silk Road Mountain Race (Ultra Distance, Ultra hart) sucht, aber auch.
Der RockHead liegt genau dazwischen: Es gibt schnelle, ruhige Kilometer, feinen festen Schotter und entspannte Täler. Es gibt aber ebenso Wurzeln, Schiebepassagen, steile Wiesen und Anstiege, die mit Gepäck ganz anders aussehen als im Komoot-Höhenprofil. Gewollt abenteuerlich also – nur nicht "nur abenteuerlich". Genau das macht die Route abwechslungsreich.
Die sieben farbigen Etappen sind ein Vorschlag, kein Korsett. Einstieg ist überall möglich; wir starten in Stadt Wehlen und fahren nach "Plan". Viele Sehenswürdigkeiten sind in der Route integriert - aber es gibt genug Optionales zu entdecken. Bei uns klappt das nicht immer: Selbst mit Erfahrung im Sattel braucht diese Strecke stellenweise mehr Zeit, als die nakten Zahlen vermuten lassen.
Das Starterpaket des Rockhead hilft bei der Planung wirklich und die Beschreibungen sind echt treffend.
die offiziellen Etappen im reality Check
Die folgenden Werte sind die Angaben der offiziellen RockHead-Etappenbeschreibungen. Sie sind sinnvoll für die Tagesplanung – unsere gefahrenen Tage können durch An- und Abfahrt und Abstecher länger ausfallen - geben aber ein realistisches Bild wie sich so eine Etappe in real life anfühlt. Packt für Fotostopps, Pausen, Schieben und die eine oder andere Überraschung besser Luft in den Tag.
-
Etappenwebseite:Gelb: Stadt Wehlen–Bad Schandau
Offiziell: 43 km · 680 hm · 3 h
Gefahren: 56 km · 860 hm · 4 h
Charakter: moderater Einstieg durchs Elbtal, dann Wald, Gravel und Felsenblicke
Unser Bericht -
Etappenwebseite:Grün: Bad Schandau–Sohland/Spree
Offiziell: 62 km · 1.030 hm · 5 h
Gefahren: 75 km · 1073 hm · 5 h
Charakter: Schwarzbachtal, Sebnitz, Wälder und der Aufstieg zum Ungerberg
Unser Bericht -
Etappenwebseite: Rot: Sohland/Spree–Großschönau
Offiziell: 52 km · 740 hm · 4 h
Gefahren: 55 km · 812 hm · 3,5 h
Charakter: ständiges Auf und Ab zwischen Wald, Feldern und Dörfern
Unser Bericht -
Etappenwebseite: Schwarz: Großschönau–Zittau
Offiziell: 32 km · 610 hm · 3 h
Gefahren: 31 km · 550 hm · 2 h
Charakter: kurze, aber anspruchsvolle Zittauer-Gebirge-Etappe mit Johannisstein und Kelchsteinen
Unser Bericht -
Etappenwebseite:Orange: Zittau–Löbau
Offiziell: 39 km · 520 hm · 3 h
Gefahren: 42 km · 650 hm · 2,5 h
Charakter: Dickicht, weites Land, Herrnhut und der finale Anstieg auf den Löbauer Berg
Unser Bericht -
Etappenwebseite: Blau: Löbau–Stolpen
Offiziell: 66 km · 1.060 hm · 5 h
Gefahren: 67 km · 1068 hm · 4 h
Charakter: schneller Bahnradweg, dann Czorneboh, Cunewalde und Burg Stolpen
Unser Bericht -
Etappenwebseite: Lila: Stolpen–Stadt Wehlen
Offiziell: 30 km · 230 hm · 2 h
Gefahren: 30 km · 230 hm · 1,5 h
Charakter: Wesenitztal, Blick zurück zur Burg Stolpen und die Abfahrt ins Elbtal
Unser Bericht
Über die Tabelle oben könnt ihr sowohl direkt auf die Infos der Etappe springen, als auch auf den Abschnitt in unserem Bericht springen, wenn ihr eine Sektion nochmal nachlesen wollt. In den Artikeln sind unsere Touren verlinkt, ihr könnt aber auch die offiziellen Etappen auf Komoot finden.Gelbe Etappe: Stadt Wehlen bis Bad Schandau
Die RockHead Gelbe Etappe ist ein guter Einstieg. Sie beginnt gleich mit einer Fähre über die Elbe – für uns schon ein ziemlich gelungener Start in den Tag (hey, sowas haben wir nicht jeden Tag). Danach rollt man erst einmal westwärts am Fluss entlang und kann Beine und Kopf sortieren. In Obervogelgesang geht es dann durch ein kleines Tal hinauf auf die Ebene über der Elbe. Mit Gepäck ist das sofort Arbeit, aber der Anstieg kommt in verträglichen Abschnitten. Die offizielle Beschreibung trifft den Charakter gut: erst Elbtal, dann Wald, moderate Gravelpisten und schließlich die schnelle Abfahrt nach Bad Schandau...aber wir nehmen euch schon genauer mit 😄
Kurz vor Struppen führt die Route an einem alten Gehöft vorbei, über Felder und kleine Straßen. Nach rund zehn Kilometern lohnt sich eine Pause bei der Landbäckerei Schmidt nahe der Strecke. Dort gibt es nicht nur Verpflegung, sondern auch einen Blick in die Produktion und eine Terrasse für die zweite Tasse Kaffee.
Danach warten glatte Pflasterpassagen – als Straßenbelag für uns noch ungewohnt, aber erstaunlich gut zu fahren. Erst geht es über eine kleine Steigung, dann schnell bergab und anschließend gemütlich durchs Tal auf Asphalt. Der nächste längere Anstieg liefert den Blick Richtung Festung Königstein. Wir lassen sie diesmal bewusst aus: berühmt genug ist sie, gerne zu voll um mit Rad durchzuwuseln und wir wollen Strecke machen.
Im Wald wird es graveliger. Bei unserer Fahrt ist ein kurzes Stück nach Forstarbeiten so zerfahren, dass wir ein paar hundert Meter schieben müssen. Wer das vermeiden möchte, kann zwei Kreuzungen vorher leicht ausweichen und direkt auf den schönen Forstschotterweg fahren. Das ist ohnehin ein guter Hinweis für den RockHead: Nicht jede Linie auf einem Track muss um jeden Preis gefahren werden - schaut euch die Route vorher an und legt fest, welche Highlights ihr nicht auslassen wollt und auf welchem Kilometer die kommen - gibts dann einen Abschnitt der sketchy aussieht, ihr aber wisst dass was cooles bevorsteht, stellt man sich drauf ein.
Die nächste Kreuzung kennen wir noch von unserem Bikepacking-Trip in die Sächsische Schweiz. Danach geht es auf Asphalt rasant durch ein bewaldetes Tal, vorbei an einzelnen Felsen und über Cunnersdorf hinauf auf ein Plateau. Über die Felder tauchen erstmals die markanten Gesteinsformationen in der Ferne auf. Genau auf diese Blicke hatten wir lange gewartet.
Über Papstdorf und Kleinhennersdorf geht es weiter, anschließend schnell durch Krippen hinunter zur Fähre nach Bad Schandau. Kaffee, Cola und Kuchen sind dort keine große kulinarische Offenbarung, aber nach dieser Wärme genau richtig.
Unsere Etappen-Variante ist länger als die offizielle Strecke, denn unsere Unterkunft liegt nicht in Bad Schandau, sondern am Lichtenhainer Wasserfall. Statt den direkten Weg durchs Kirnitzschtal zu nehmen, legen wir einen Abstecher ins Elbsandsteingebirge ein – immer auf erlaubten Radwegen. Die Auffahrt Richtung Ostrau beginnt ordentlich steil, beruhigt sich aber wieder. Am Großen Backofen biegen wir auf einen schönen Gravelweg ab. Zwischen den Felsen wächst die Lust, einfach abzusteigen und loszuwandern. Dafür ist es inzwischen zu spät, das nächste Mal.
Weiter vorne sind gepflasterte und steinige Stellen so grob, dass wir wieder schieben. Die Aussicht und die vielen Fotostopps machen den Umweg trotzdem lohnend. Danach geht es kurz bergab, auf die Straße und wenige hundert Meter später zum Gasthof Lichtenhainer Wasserfall.
Der traditionsreiche Gasthof passt gut zu einem langen Tag auf dem Rad: frisch renovierte Zimmer, eine kalte Dusche bei 35 Grad draußen und leckeres Essen, darunter selbst geräucherte Forelle. Für den Wasserfall wird der Bach regelmäßig angestaut und dann auf einen Schlag entladen - so entsteht der Wasserfall; die Geschichte dieser alten Touristenattraktion hängt als Bildmaterial auf den Fluren. Wer noch Energie hat, findet von hier aus kleine Wanderungen. Wir sparen sie uns, essen gut und schlafen lieber – die grüne Etappe kündigt sich schon deutlich fordernder an.
RockHead Grüne Etappe: Bad Schandau bis Sohland/Spree
Frühstück besteht heute aus Lunchpaketen, denn wir wollen früh los. Räder aus der RockHead-Garage (die automatisch um 8:00 aufmacht) – dann rollen wir mit Schwung durchs Kirnitzschtal. Die erste Bahn des Tages kommt entgegen, die Felsen neben der Straße sind Kulisse: Nice. Über Bad Schandau und ein paar Dörfer geht es ins nächste Tal. Dort wirkt zunächst alles zahm, bis die Route bei Porschdorf auf eine ehemalige Bahntrasse abbiegt.
Ab Goßdorf-Kohlmühle steht plötzlich eine große Fabrikruine mit mächtigem Schornstein in der Landschaft. Danach zeigt die Grüne Etappe ihren Charakter: Das Schwarzbachtal ist sehr romantisch und bietet ein kurzer Singletrail, Waldwege, die deutlich gröber sind, als sie auf den ersten Blick wirken und man fährt Abschnittsweise auf der ehemaligen Bahntrasse. An den einstigen Haltestellen stehen teils nur noch Schilder – etwa am Raubschloss bei Goßdorf. Nach Rüttelpiste und schlammigen Passagen geht es durch Lohsdorf, zwischen Häusern hindurch und steil auf ein Feld.
Oben gibt es den Blick über die Landschaft. Der Feldweg fährt sich besser, als er aussieht; die frühere Bahntrasse davor eher umgekehrt. Im Wald oben wird es wieder technisch: ruppelige Wege, dann schneller Gravel, dicht zugewachsene Abschnitte und ein stetiger Kampf bergauf. Die Belohnung ist eine Aussicht, bevor es geradeaus nach Schönbach hinuntergeht und auf der Straße weiter nach Sebnitz rauscht.
Sebnitz verdient eine Besichtigung, wenn man Zeit hat. Die Stadt ist hübsch, liegt nah an der Grenze und leitet direkt in den nächsten Anstieg ein. Es geht steil durch den Ort und in Abschnitten auf Asphalt und Radweg durch den Wald hinauf zum Ungerberg mit Aussichtsturm. Rund 250 Höhenmeter am Stück sind kein Kampf gegen die Welt, aber sie wollen gefahren werden. Der Rundumblick oben reicht bei guter Sicht weit über die Landschaft – genau die Art Belohnung, für die man die lange Steigung gerne auf sich nimmt.
Hier liegt auch einer der Checkpoints. Das System erklärt einige scheinbar seltsame Schlenker der Route: QR-Codes an besonderen Orten lassen sich sammeln; wer alle hat, kann eine Finisherkarte bestellen. Unser Finisher bleibt vor allem die Erinnerung. Trotzdem ist es eine sympathische Idee, die den Blick immer wieder weg vom Lenker zieht.
Nach einer schönen Abfahrt folgt der nächste Hügel. Oben läuft die Strecke auf einem Querweg mit weitem Blick über die Landschaft. Es folgen gepflegte Waldschotterwege, mal schnell, mal ruppig. Und dann eine kleine RockHead-Eigenheit: Kurz vor einem Dorf ist der nächste Weg schon zu sehen – nur führt der Track nach rechts, steil über eine wilde Wiese. Vierzehn oder fünfzehn Prozent, wenig klare Linie, viel Kraxeln.
Solche Stellen erhöhen den Abenteueranteil, aber nicht jede davon macht mit Gepäck Spaß. Wir mögen Anstrengung, wenn danach ein guter Grund wartet: Aussicht, Trail oder ein besonderer Ort. Auf Teufel komm raus noch eine Wiese oder einen zugewachsenen Hang mitzunehmen, kann dagegen mehr Nerven als Freude kosten. Gerade wenn eine einfache Alternative existiert. Unser Rat: Lasst euch darauf ein, aber fahrt nicht stur nach Track, wenn euch eine Passage nicht liegt.
Der restliche Gravel ist oft schnell, kann in Abfahrten aber unvermittelt von glatt auf sehr grob wechseln. Also aufmerksam bleiben. Über Wehrsdorf mit seinen vielen schönen Umgebindehäusern geht es Richtung Sohland. Kurz vor dem Ende liegt noch ein Ackerweg: Das hohe Gras verdeckt Löcher, die uns mehr als einmal ordentlich durchschütteln. Wer bei warmem Wetter noch Reserven hat, findet am Rand von Wehrsdorf mit dem Waldbad eine Möglichkeit für einen Sprung ins Wasser.
Wir schlafen im nahen Schirgiswalde und hängen deshalb noch Kilometer an: am Stausee Sohland und der Brauerei vorbei, durch den Wald und über den Radweg zum Landhotel Thürmchen. Vorher gibt es im lokalen Reisebüro mit Espressobar noch eine Eisschokolade mit Softeis – bei der Hitze ein Volltreffer. Abends radeln wir zur Brauerei. Gulasch, Schnitzel und eine Bierdegustation im Brauhaus am See: Seele und Körper im Einklang.
Bikepacking Hack: Augen auf bei der Auswahl der Taschen - wenn ihr die Bikepacking Taschen die ganze Reise über am Rad dran lässt und ihr auf Stabilität setzt werdet ihr andere Bags aussuchen, als wenn ihr jeden Abend das Fahrrad entladen müsst um das Gepäck in ein Zimmer zu schleppen. Wie einfach sich vollgepackte Taschen am Gravelbike fixieren und abmachen lassen ist auch eine Zeitfrage, die den Bikepacking Trip torpedieren kann, oder zumindest jeden Tag für ein quäntchen Frust sorgen.
Bikepacking und Gravelbiking in Sachsen
Sachsen ist ein vielfältiges Bundesland und viele Destinationen in diesem Bundesland sind auf unserer Bucketlist. Findet mehr Infos zu Sachsen und unsere Ride-Berichte und auf unserer
Themenseite Sachsen