Kanaren von Nord bis Süd komplett erleben - die Gran Guanche
Dass wir die Gran Guanche auf GravelDeluxe aufnehmen war keine Frage, denn eine Tour welche über mehrere Inseln sich auf 700 Kilometer und 16.000 Höhenmeter erstreckt ist etwas besonderes. Dabei ist die Gravel Version nur die "mittlere" Option - und es gibt auch Varianten für MTB und Rennrad.
Die Routen sind so angelegegt, dass man die Fähren teil der Strecken sind um die Logistik des Insel Hoppings zu erleichtern und überhaupt gibt es auf der Route viel zu sehen und erleben. Deswegen ist es auch super dass man die Route nicht nur im Event-Modus (Audax) fahren kann oder soll ... sondern dass man sie auch als bikepacking Inspriration nehmen kann. Mehr als 5 UNESCO Naturerbe Sites sind auf den Inseln und jede der Kanaren hat einen eigenen Vibe.
Neben der offiziellen Route und Komoot Account den wir hier verlinken, wollen wir auch drei Abenteuer ind den jeweilen Strecken-Typen teilen - Dmytro 💙💛, Enough Cycling und Erwin Sikkens die einen Einblick in die Realität der Gran Guanche geben sollen, denn die Kanaren bieten nicht nur viel Sonne. Es soll nicht abschrecken, sondern nur die Vielfalt der Tour zeigen, denn sonst bekommt man ja nur Fotos mit blauem Himmel zu sehen.
Offizielle Guanche Route und Seite
Webseite: https://granguanche.com/
RidewithGPS Gravel Collection: https://ridewithgps.com/collections/2226948
Lanzarote – schwarzer Schotter, weiße Dörfer, Wind von überall
Lanzarote ist ein seltsamer Einstieg. Alles wirkt ruhig, fast steril. Weiße Häuser, schwarze Lava, blauer Atlantik. Postkarte. Dann rollt man los – und merkt schnell, dass hier nichts „smooth“ ist. Der Asphalt endet abrupt im Schotter. Der Schotter wird zu grobem Vulkangestein. Wege fühlen sich an wie Schmirgelpapier. Dazu Seitenwind, der dich langsam aber stetig ausbremst. Schon eine lockere Erkundungsrunde wie „GranGuanche: Etappe 0, Lanzarote – Der Boden ist Lava!“ zeigt, wie sehr diese Insel vom Untergrund lebt: staubige Tracks durch Lavafelder, kleine Küstenpisten, Sonnenuntergang über schwarzem Fels. Selbst die Anfahrt zum eigentlichen Start wird hier zur ersten Trainingseinheit, wie bei der Abendfahrt zum Start: ein paar harmlose Kilometer auf Asphalt, versteckte Höhenmeter, langsam steigende Spannung.
Und dann geht’s nachts weiter. Keine Bühne, kein Countdown – einfach los. Die Nachtfahrt zur Fähre führt über unbeleuchtete Trails, erste steilere Rampen, vereinzelte Lichter im Dunkeln. Gruppen zerfallen schnell, jeder sucht sein Tempo. Spätestens hier wird klar: Das ist kein Gravel-Wochenende. Das ist ein Ultra.
Fuerteventura – Weite, Hitze und wenig Ausreden
Die Fähre spuckt einen im Morgengrauen auf Fuerteventura aus. Und plötzlich wird alles größer. Mehr Horizont. Mehr Wind. Weniger Schatten.
Die Insel fühlt sich an wie eine Mischung aus Wüste und Küstenstraße. Lange, offene Abschnitte wechseln sich mit ruppigen Schotterpisten und kurzen, giftigen Anstiegen ab. Es gibt Kilometer, da passiert scheinbar nichts – und trotzdem werden die Beine schwerer. Eine Etappe wie „26 Stunden im Sattel und unterwegs…“ macht deutlich, wie schnell aus „rollen lassen“ ein zäher Überlebensmodus wird: Versorgungsstopps planen, Wasser sparen, immer wieder schieben. Schlaf wird zum Luxusgut, selbst 20 Minuten auf dem Boden fühlen sich wie ein Geschenk an. Wer es flüssiger mag, wählt eine asphaltlastigere Linie wie „Insel Nr. 2 – Fuerteventura“. Mehr Rhythmus, weniger Gerumpel – aber die Hitze, die Distanz und der Wind bleiben dieselben. Leicht wird es auch so nicht. Fuerteventura ist ehrlich. Wenn du leer bist, bist du leer.
Gran Canaria – die Insel klappt hoch
Bis hierhin ist alles vor allem lang. Gran Canaria fügt eine neue Dimension hinzu: steil. Plötzlich wird die Route vertikal. Barrancos schneiden tief ins Gelände, Straßen winden sich in endlosen Serpentinen nach oben. 15 oder 17 Prozent fühlen sich hier normal an. Dazu grobe Steine, technische Passagen und immer wieder Hike-a-Bike.
Eine Runde wie „Harte Fahrt, zu wenig Schlaf“ liest sich wie eine Sammlung kleiner Kämpfe: Tempo rausnehmen, anhalten, weiterkriechen. Nebel statt Aussicht, Müdigkeit statt Flow. Selbst die letzten Kilometer zur nächsten Fähre – dokumentiert im „Morgenlauf zur Fähre“ – werden plötzlich zur Geduldsprobe.
Andere erwischen die Insel im Regen, wie bei „Insel #3 – Gran Canaria“. Nasse Straßen, kalte Abfahrten, alles noch ein bisschen rauer. Viele sagen später: Hier entscheidet sich, ob man wirklich weiterfahren will. Gran Canaria sortiert aus.
Fähren – das eigentliche Zeitlimit
Was die GranGuanche von fast allen anderen Bikepacking-Routen unterscheidet, sind die Fähren. Sie sind keine Nebensache, sondern Teil des Spiels. Man plant nicht „120 Kilometer heute“, sondern „schaffe ich die 16:30-Verbindung?“. Wer sie verpasst, verliert Stunden. Wer sie knapp erwischt, gewinnt plötzlich einen halben Tag. Das sorgt für eine eigene Dynamik. Mal wird gedrückt, mal gewartet, mal geschlafen. Nicht Wattwerte entscheiden – sondern Timing. Das „Ferry Game“ ist das unsichtbare Zeitlimit der GranGuanche.
Teneriffa – Teide, Wetter und Entscheidungen
Teneriffa wirkt zuerst wie Erholung: gute Straßen, größere Orte, viel Asphalt. Doch dann steht er da – der Teide. Egal welche Variante man fährt: irgendwann geht es hoch. Lange, gleichmäßige Anstiege, dünnere Luft, Wetterwechsel im Stundentakt. Selbst eine vermeintlich kurze Distanz wie bei „den ganzen Tag für 53 km“ kann sich endlos anfühlen, wenn Schlaf fehlt und die Beine leer sind. Wer die klassische Gravel-Linie nimmt, bekommt mit „Gravel-Paradies Mount Teide“ eine der spektakulärsten Etappen der ganzen Tour: breite Schotterstraßen durch Wälder, später offene Vulkanlandschaften, Farben von Grün zu Rot zu Schwarz. Großes Kino – aber eben auch viele Stunden bergauf.
Manchmal spielt das Wetter nicht mit. Schnee, Kälte oder Sturm zwingen zur Umplanung, wie bei „Teneriffa Plan B“. Dann wird der Gipfel umfahren. Sicherheit vor Ideallinie. Hier wird klar: Aufgeben ist kein Scheitern. Manchmal ist es einfach vernünftig.
Letzte Insel – Ziel oder Schlussstrich
Je nach Edition wartet am Ende noch eine fünfte Insel. Für manche führt der Weg nach La Gomera, etwa über „La Gomera und Ziel!“, nochmal mit ordentlich Höhenmetern und engen Straßen – ein letztes Aufbäumen vor dem Finish.
Andere erwischt schlechtes Wetter. Regen, Gewitter, rutschige Trails. Dann wird aus „Finish“ schnell „DNF“, wie bei „#DNF, Sturm bei La Palma“. Auch das gehört zur GranGuanche. Kein Drama. Keine große Geste. Nur die Erkenntnis: Heute nicht.
Ein ausführlicher Hintergrundbericht dazu findet sich hier.
Was bleibt
Am Ende erinnert man sich nicht an Durchschnittsgeschwindigkeiten. Sondern an Lava unter den Reifen. Salz auf der Haut. Häfen im Morgengrauen. Kaffee aus Plastikbechern.
Und dieses leise Gefühl, komplett am Limit zu sein – aber genau am richtigen Ort.
Autor:innen & Perspektiven
Erwin Sikkens – Touren & Hintergrundbericht:
https://www.komoot.com/de-de/collection/1373853/granguanche-audax-trail-mein-erstes-ultra-rennen
https://erwinsikkens.comDmytro – Road-orientierte GranGuanche-Experience:
https://www.komoot.com/de-de/collection/1409880/-granguanche-road-experienceEnough Cycling – komplette Insel-Dokumentation:
https://www.komoot.com/de-de/collection/1463074/-granguanche